Dein Schicksal in meiner Hand

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Filmkritik:

Obwohl Dein Schicksal in meiner Hand auf Detektive in Trenchcoats, kaltblütige Femme Fatales und andere archetypische Bestandteile des Film Noir verzichtet, zählt er zu den herausragenden Vertretern der schwarzen Serie.

In seiner Heimat erlangte der britische Regisseur Alexander Mackendrick durch die Alec Guinness-Komödien Der Mann im weißen Anzug und Ladykillers einige Popularität, sein US-Debüt fiel jedoch beim Publikum durch. Dennoch war es wohl gerade der britische Regisseur, der die entscheidenden Nuancen einbrachte, die Dein Schicksal in meiner Hand zu einem bemerkenswerten Film Noir machen. Sein Sinn für Humor verleiht dem Drama eine gallige Bitterkeit und sein europäischer Blick auf den American Dream streift unbeeindruckt sämtliche Voreingenommenheit ab und entlarvt das amerikanische Streben nach Erfolg mit unerhörter Konsequenz.

Zum Beispiel für die Bestandsaufnahme der New Yorker Gesellschaft gereicht dem Film ein einflussreicher Zeitungskolumnist, der sich eines ehrgeizigen PR-Agenten bedient, um mit böswilligen Winkelzügen die Liaison zwischen seiner Schwester und einem Musiker aufzulösen. Dabei spielt der Film lediglich im Verlauf von zwei Tagen, oder besser – Nächten. Beinahe ausschließlich im Dunkeln agieren die Protagonisten, wie Gangster tauschen sie heiße Informationen oder konferieren miteinander in Klubs und Bars. Kameramann James Wong Howe macht seinem Ruf als Schwarz-Weiß-Experte alle Ehre und findet sowohl für das nächtliche New York als auch für die zahlreichen Innenräume imposanten Einstellungen.

Eine omnipräsente Anspannung liegt hier über allem – sämtliche Figuren belauern einander, Schlag auf Schlag feuert das erstklassige Drehbuch die mal zynischen, mal angriffslustigen Dialoge ab und ersetzt damit spielend den Schusswaffengebrauch herkömmlicher Film Noirs. Es genügen einige Worte, zur rechten Zeit fallen gelassen, um Menschen in den Abgrund zu stoßen. Der ironische Originaltitel The Sweet Smell Of Success spricht Bände über diesen nihilistischen Film und seine abstoßenden Charaktere, die sich nur dem eigenen Erfolg verpflichtet fühlen und dafür Moral und Menschlichkeit opfern.

Da sich Dein Schicksal in meiner Hand ganz seinen Figuren widmet, erhalten naturgemäß auch die Darsteller viel Raum und liefern hier eine sensationelle Show. Der sonst auf charmante und sympathische Rollen festgelegte Tony Curtis schwitzt die Karrieregeilheit seiner Figur aus jeder Pore und bahnt sich mal zackig fordernd, mal kriecherisch bettelnd seinen Weg durch den Film. Gänzlich entgegengesetzt spielt Burt Lancaster, den als berühmter Kolumnist eine eiskalte Aura umgibt. Mackendrick stellt den Antagonisten ähnlich überlebensgroß dar wie Orson Welles es in Citizen Kane tat, geschickt vermittelt er dessen Macht über Mise en Scène und Kameraarbeit.

Doch obwohl Curtis‘ Figur hassenswert ist und hier zwar nicht die eigene Mutter, aber doch zumindest eine Freundin verkauft, taugt er als Bezugsfigur für uns Zuschauer. Denn – und das ist dann doch typisch Film Noir – auch er leidet unter dem System, ist ein Gefangener seiner Sucht nach Erfolg. Wie ein Heroinsüchtiger für den nächsten Schuss, tut auch er alles für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter. Sein Sidney Falco ist Täter und Opfer zugleich und muss an dieser Schizophrenie zwangsläufig zerbrechen. Wie kein zweiter Film bebildert Dein Schicksal in meiner Hand die Gier nach Erfolg als Krankheit der amerikanischen Seele.

Handlung:

Lügen, Intrigen und Manipulationen, diese Fertigkeiten weiß Zeitungskolumnist Hunsecker meisterlich einzusetzen. Doch muss er sich nicht selbst die Finger schmutzig machen. Der skrupellose Sidney Falco ist bereit, für seine Karriere alles zu tun, was sein Auftraggeber will. Als sich Hunseckers Schwester Susan in den brotlosen Jazzmusiker verliebt, wird Sidney beauftragt, das Glück der beiden zu zerstören. Gnadenlos nutzt er die Presse, um die öffentliche Meinung zu manipulieren.

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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