Die Marx Brothers im Krieg ist gemeinhin als bestes Werk der Komikerbande anerkannt und liefert nicht nur ein 66 Minuten kurzes Slapstickfest, sondern lässt sich auch als abstrakter Antikriegsfilm lesen.

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Filmkritik:

Im Gegensatz zu Größen wie Charlie Chaplin oder Buster Keaton, die sich bereits während der Stummfilmzeit einen Namen machte, benötigten die Marx Brothers eine längere Anlaufzeit. Lange in Vaudeville-Theatern und am Broadway aktiv, konnten sie ihre verbalen Stärke erst mit Einzug des Tonfilms zum Ausdruck bringen. In der Folge prägte das Gespann die amerikanische Komödie über Jahrzehnte, ihr Einfluss macht sich bei Woody Allen genauso bemerkbar wie bei Die nackte Kanone.

Auch in ihrem fünften Werk Die Marx Brothers im Krieg verlässt sich das Gespann gänzlich auf sein bühnenerprobtes Repertoire: Amüsante Wortgefechte in hoher Geschwindigkeit, kurze Musiknummern und zahlreiche absurde Slapstickgags prägen das Geschehen, in dem die Brüder einmal mehr ihre klassischen Rollen einnehmen. Groucho agiert als schlagfertiger Gernegroß, Chico als dreister Gauner, Harpo als stummer Clown und Zeppo in seinem letzten Auftritt vor der Kamera als anständiger Kerl.

Nicht alle Gags zünden und oftmals wirken die Witze etwas albern oder beliebig, doch serviert der Film auch einige wunderbare Highlights. In einer Szene veralbern Chico und Harpo den Besitzer eines Limonadenstandes in atemberaubender Geschwindigkeit mit immer neuen Scherzen, bis dieser nicht mehr weiß, wo vorne und hinten ist.

Auch die berühmteste Szene des Films bereitet einigen Spaß, wenn Groucho sich in einem nicht mehr vorhandenen Spiegel zu betrachten wähnt, sein Spiegelbild jedoch von einem verkleideten Harpo nachgeäfft wird. Durch das enorm hohe Tempo mutet Leo McCareys Werk nicht an, als wäre es bereits 1933 veröffentlicht worden; lediglich die deutsche Synchronisation lässt den Film altmodisch wirken und entschärft den Wortwitz, sodass der Originalton hier vorzuziehen ist.

Im Vergleich zu den anderen Werken der Truppe besitzt Die Marx Brothers im Krieg ein Alleinstellungsmerkmal: Hinter den vordergründigen Slapsticknummern verbirgt sich eine geistreiche Verschlüsselung des Wahnsinns des Krieges und seiner Gründe. Zwischen allerlei Kurzweil geht es beinahe ein bisschen unter, wie sich das Volk eines beinahe bankrotten Staates einem exzentrischen Führer unterwirft, sich von diesem für dumm verkaufen lässt, dessen persönliche Bereicherung mitträgt und sich schließlich begeistert in einen Krieg ziehen lässt, der nicht zu gewinnen ist. Eine Randnotiz: Im Jahr der Veröffentlichung ergriff Adolf Hitler die Macht in Deutschland.

Mit Die Marx Brothers im Krieg legen die Brüder eine hochgradig einflussreiche, stets unterhaltsame subversive Komödie vor, die Slapstickfans begeistern dürfte.

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DIE ÄRA

In den Dreißiger Jahren setzte sich der Tonfilm endgültig durch. In den USA brach die Ära des klassischen Hollywood an. In Frankreich entstand eine der einflussreichsten Strömungen der Kinogeschichte: Der Poetische Realismus. Der drohende Weltkrieg sorgte in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts für eine Auswanderungswelle europäischer Filmschaffender, was die Vormachtstellung Hollywoods zementierte.

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DAS GENRE

Die Komödie zählt zu den Grundfesten des Kinos und funktioniert – wie auch der Horrorfilm – affektgebunden. Deshalb bringt uns der Slapstick aus den Stummfilmen von Charlie Chaplin genauso zum Lachen wie die rasenden Wortgefechte der Screwball-Komödien aus den Dreißiger Jahren, die spleenigen Charaktere von Woody Allen oder die wendungsreichen Geschichten von Billy Wilder.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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