Schatten und Nebel

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Filmkritik:

Mit seinem zwanzigsten Film Schatten und Nebel huldigt Woody Allen der deutschen Kultur und drehte eine vergnügliche Hommage an expressionistische Stummfilme und Franz Kafka.

Allen selbst spielt einmal mehr die Hauptrolle und mimt den unsicheren Buchhalter Kleinmann, der zu Beginn des Films aus dem Bett gezehrt wird wie ein Protagonist aus einem Kafka-Roman. Und wie in Hitchcocks Stummfilm Der Mieter verbirgt sich in den nächtlichen Nebelstraßen ein fleißiger Mörder, dem die Bürgerwehr auf den Fersen ist. Dumm nur, dass Kleinmann über seine Rolle im Plan im Unklaren gelassen wird und von einer latent bedrohlichen Situation in die nächste stolpert.

Komplett im Studio gedreht, erzeugt Allens bis dato teuerster Film durch die wunderschönen Schwarz-Weiß-Bilder von Kameramann Carlo Di Palma eine gespenstische Parallelwelt, die jedem Horrorfilm zur Ehre gereicht hätte und als Bühne für eine Komödie beinahe schon verschwendet wirkt. Besonders die Lichtsetzung beeindruckt ungemein und verleiht Schatten und Nebel das Prädikat, die beste Arbeit von Di Palma zu sein, obwohl dieser neben zahlreichen Kollaborationen mit Woody Allen auch Blow-Up und Die roten Wüste von Michelangelo Antonioni fotografierte.

Den Slapstick seiner Frühwerke lässt Woody Allen in Schatten und Nebel weitestgehend hinter sich und unterhält vorwiegend über die schlagfertigen Dialoge und den episodenhaften Charakter des Films, der neben Allens Kleinmann noch zahlreiche weitere Figuren beherbergt. Diese benötigt die Komödie auch, um die illustre Riege an Stars unterzubringen: Neben John Malkovich, John Cusack und Donald Pleasence treten auch Mia Farrow, Jody Foster, Kathy Bates und sogar Popstar Madonna auf.

Die Kriminalgeschichte des 82 Minuten kurzen Films setzt Allen eher als Mittel zum Zweck ein, um Murnau, Lang, Fellini und Bergman zu huldigen und seine typischen Themen – Liebe, Religion und die Auswüchse des großstädtischen Miteinanders – aufzugreifen. Wie wenig relevant die Krimianleihen sind, offenbart auch das wenig spannende Finale, das den Showdown abbricht, um die Macht von Kunst und Fantasie zu betonen.

Schatten und Nebel zählt weder zu den rundesten Werken von Woody Allen, noch erreicht er die Tiefe von dessen Klassikern wie Manhattan; die stilvollen Kulissen, die fantastischen Bilder und Allens vorzügliche Komik sorgen dennoch für ein sehenswertes Kleinod in dessen umfangreicher Filmografie.

Handlung:

Eine wütende Bürgerwehr wirft den ängstlichen Buchhalter Kleinmann aus dem Bett – zusammen wollen die Bewohner einer namenlosen Stadt den Mörder fangen, der in nebligen Nächten ahnungslosen Opfern auflauert. Ohne in den Plan eingeweiht zu sein, stolpert Kleinmann durch die düsteren Straßen und stößt dabei auf Irmy, die sich als Schwertschluckerin beim Zirkus verdingte, bis sie Streit mit ihrem untreuen Freund hatte und davon lief. Als der Mörder auftaucht, gerät ihr Leben endgültig aus den Fugen…

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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