Wo die vorgenannten Werke nur die Chronologie der Szenen ins Gegenteil verkehren, wagt der experimentelle tschechische Film ein konsequenteres Vorgehen und zeigt tatsächlich eine umgekehrt ablaufende Handlung – Menschen bewegen sich rückwärts, schaufeln Essen aus dem Mund auf den Teller und beantworten Fragen, die erst danach gestellt werden.
Diese absurde Anlage steigert Happy End noch durch ein Voice-Over vom Protagonisten Bedrich, der bierernst aus seinem Leben erzählt und uns dadurch zwei Filme auf einmal beschert. Die chronologisch richtige Lesart ergibt ein konventionelles Melodram, in dem ein Mann seine Frau mit ihrem Liebhaber erwischt, beide ermordet und dafür guillotiniert wird. Die umgekehrte Chronologie des Films verwandelt diesen Plot jedoch im Zusammenspiel mit dem sinnentstellenden Erzähler zu einer amüsanten Farce.
Nach Bedrichs „Geburt“ auf der Guillotine und einiger Zeit in einem staatlichen „Erziehungsheim“, schildert uns der Erzähler, wie ihn ein Richter nach einer Verhandlung hinaus in die Welt schickt. In einem Koffer darf er Bauteile einer Frau mit nach Hause nehmen, wo er sein holdes Weib sogleich zusammensetzt. Doch gerade, als Bedrich die Arbeit an der zukünftigen Ehefrau beendet hat, fliegt ein anderer Mann von der Straße auf den Balkon im fünften Stock und bandelt sogleich mit Bedrichs Frau an…
Obwohl die Filmidee beinahe kindisch klingt, erstaunt Happy End durch seine Vielschichtigkeit. Lipskýs Werk bietet heiteren Slapstick (die Mordszenen von Bedrich an seiner Frau und ihrem Liebhaber wirken zurückgespult noch grotesker) und cleveren Wortwitz (immer wieder sorgen die rückwärts angeordneten Dialoge für Lacher). Nebenbei gelingt der Komödie auch noch der eine oder andere Seitenhieb: Beispielsweise mutmaßt der Erzähler zu Beginn, dass einige der anderen „Schüler“ im „Erziehungsheim“, das offensichtlich eine Haftanstalt ist, später bedeutende Minister oder Generäle werden, was in der richtigen Reihenfolge impliziert, eben jene staatliche Autoritäten säßen aufgrund von Korruption im Gefängnis.
Zwar erfordert die Komödie ständige Antizipation seitens des Zuschauers und erweist sich damit als etwas fordernder als andere Genrevertreter, die unorthodoxe Inszenierung verkommt jedoch nie zur bloßen Spielerei, sondern erzeugt vielfältige Pointen. Aufgrund der hohen Gagdichte, der kurzen Spielzeit von nur 71 Minuten und der amüsanten Mimik von Hauptdarsteller Vladimír Mensík sorgt Happy End für spielerisch-anarchischen Spaß, der in Erinnerung bleibt.