Achteinhalb Filme drehte Federico Fellini nach seiner Rechnung bis 1962, darunter das großartige Drama Die Schwindler sowie Werke wie La Strada oder Das süße Leben, die vom Publikum gefeiert und von Preisrichtern ausgezeichnet wurden. Was tut ein Regisseur, der nach nur zehn Jahren einen Höhepunkt erreicht hat und eine große öffentliche Erwartungshaltung bedienen muss, obwohl er den eigenen künstlerischen Anspruch erschöpfend abgehandelt hat?

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Filmkritik:

Lange fand der italienische Autorenfilmer keine Antwort auf diese Frage und schlitterte in eine Sinnkrise, doch schließlich gelang Fellini der befreiende Durchbruch: Der ideenlose Regisseur drehte einen Film über einen ideenlosen Regisseur, löste sich von einer konventionellen Erzählweise und schuf das stilprägendste Werk seiner Karriere.

Bereits in der richtungsweisenden Eröffnungsszene gerät Fellinis Alter Ego in eine erdrückende Panik, als er in einem Auto feststeckt, das sich langsam mit Gas füllt, während seltsam-surreale Gestalten in den anderen Fahrzeugen keine Notiz davon zu nehmen scheinen. Der von Marcelo Mastroianni großartig verkörperte Regisseur kann sich befreien und fliegt davon, nur um geradewegs ins Meer zu stürzen und – aufzuwachen. Alles nur ein Traum?

Nicht unbedingt. In Achteinhalb mäandern Realität und Imagination fließend, ohne dem Publikum die Möglichkeit zu geben, sich Art und Ort des Geschehens zu versichern. Das erweist sich ohnehin als unnötig, da Fellini kein Werk gedreht hat, das zwingend verstanden werden muss. Eine fortlaufende Handlung bleibt zugunsten ungebundener Episoden zurück, in denen Figuren und Motive lustvoll variiert werden: Gleich mehrere Frauen nehmen Fellinis Alter Ego in Beschlag, der Katholizismus seiner Jugend, die schlecht laufende Vorproduktion seines nächsten Werkes und die eigene künstlerische Leere, die aus ihm zunehmend einen einsamen Eigenbrötler formt.

Die überdurchschnittlich lange Spielzeit und die fehlende Dramaturgie sorgen damit nicht unbedingt für einen enormen Unterhaltungswert, die großartige Bildgestaltung und der heitere Reigen der Episoden sorgen jedoch zumindest für einige Abwechslung und in den besten Momenten des Films für eine Sogwirkung, die sich aus der assoziativen Melange von Frauen, Neurosen und Meta-Ebenen ergibt.

Auch heute noch wirkt Achteinhalb dank Fellinis Handwerkskunst unfassbar modern. Wer einen Zugang zur so eigenwilligen wie einflussreichen Charade des italienischen Filmemachers findet, wird mit tollen Bildern und heiterem Charme belohnt. In jedem Fall bietet der Klassiker eine hochgradig interessante Filmerfahrung.

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DIE ÄRA

Die Sechziger Jahre zählen zu den revolutionärsten Jahrzehnten der Kinogeschichte. Das Aufkommen der Nouvelle Vague in Frankreich fand einen Widerhall im Rest der Welt. Die neuen Wellen verschoben künstlerische Grenzen und modernisierten die Filmsprache. Zahlreiche Regisseure ließen die Themen der vorherigen Generationen hinter sich und drehten freiere, gesellschaftskritischere Werke.

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Der Dramabegriff dient als Auffangbecken für Filme, die sich keinem spezifischerem Genre zuordnen lassen. Dementsprechend viele Schattierungen ergeben sich: vom Sozial- über das Gesellschaftsdrama, das Melodram und die Tragikomödie. Die Gemeinsamkeiten dieser Subgenres liegen in realistischen, konfliktreichen Szenarien und einer Konzentration auf die Figuren.

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Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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