Das auf zwei Werke aufgeteilte Filmprojekt Ich bin neugierig von Vilgot Sjöman sorgte 1967 für große Empörung, die sich rasch international ausbreitete. Mit unzähligen Verboten in Europa und den Vereinigten Staaten belegt, entwickelte Sjömans zeitgeistiges Filmduo den Ruf eines Skandalwerkes; aus heutiger Sicht vermag Ich bin neugierig jedoch nicht mehr zu schocken.

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Filmkritik:

Mit kontroversen Filmen kannte Sjöman sich schon aus: Drei Jahre zuvor drehte er bereits mit dem so gelungenen wie heftigen Jugenddrama 491 ein Werk, das zu Protesten von Kirchenvertretern führte und schonungslos mit Tabus brach. Mit Ich bin neugierig ging Sjöman noch experimenteller vor und verabschiedet sich aufgrund seiner künstlerischen Freiheit von den Konventionen des Unterhaltungskinos. Er verzichtet auf einen roten Faden und reiht echte Interviewsequenzen mit gestellten Szenen, Sex und Gewalt und auch einem Film im Film aneinander.

Aufgrund der großen Menge an Drehmaterial teilte der Filmemacher seinen Stoff im Nachhinein auf zwei Werke auf, die er nach den schwedischen Nationalfarben benannte. Ich bin neugierig (gelb) widmet sich eher gesellschaftspolitischen Themen, während die blaue Fassung sich eher Fragen der Sexualität zuwendet. Die Mischung aus Dokumentation und Fiktion wurde bei der Vermarktung des Films ignoriert, die Werbemaßnahmen liefen weitestgehend am Inhalt vorbei und propagierten die Nacktszenen, was Millionen Schweden in die Kinos lockte und die Zensur auf den Plan rief.

Aus filmhistorischer Sicht bietet Ich bin neugierig einige interessante Ansätze, davon abgesehen vermag Sjömans Werk jedoch nicht zu begeistern. Die für damalige Verhältnisse provokanten Episoden haben inzwischen an Relevanz verloren und schwanken aus heutiger Sicht zwischen pubertärer Kritik am Establishment und der Huldigung der freien Sexualität der späten Sechziger Jahre.

Als Ausdruck der jugendlichen Sturm- und Drang-Phase seiner Zeit muten einige Szenen recht charmant an, ohne Vorkenntnisse oder persönlichen Bezug zu den Themen und dem Zeitgeist des Films ist Ich bin neugierig aber – auch wegen seiner Gesamtlänge von rund drei Stunden – kein ausgesprochenes Vergnügen.

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DIE ÄRA

Die Sechziger Jahre zählen zu den revolutionärsten Jahrzehnten der Kinogeschichte. Mehrere Strömungen – die neuen Wellen – verschoben künstlerische Grenzen und modernisierten die Filmsprache. Viele Regisseure ließen die Themen der vorherigen Generationen hinter sich und drehten freiere, gesellschaftskritischere Werke.

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Der Dramabegriff dient als Auffangbecken für Filme, die sich keinem spezifischerem Genre zuordnen lassen. Dementsprechend viele Schattierungen ergeben sich: vom Sozial- über das Gesellschaftsdrama, das Melodram und die Tragikomödie. Die Gemeinsamkeiten dieser Subgenres liegen in realistischen, konfliktreichen Szenarien und einer Konzentration auf die Figuren.

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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