Das Werk von Norman Jewison thematisiert die Mordermittlungen eines schwarzen Großstadtpolizisten in einer Kleinstadt in Mississippi, deren Bewohner dem Fremden rassistische Ressentiments und Vorurteile entgegenbringen. Dabei gelingt es dem Film, nicht nur den offenen, offensiven Rassismus darzustellen, sondern auch in vielen kleinen Details die alltäglichen, unterschwelligen Anfeindungen und Werturteile zu belegen.
Insbesondere die schauspielerisch großartigen Szenen zwischen Rod Steiger, der den Polizeichef des Ortes spielt, und Hauptdarsteller Sydney Poitier verhandeln das Sujet geschickt und zeichnen sich durch eine langsame, aber nachhaltige Figurenzeichnung aus. Dabei ist es bemerkenswert, dass auch Poitiers Heldenfigur nicht vor Fehlern gefeit ist und ebenfalls Vorurteile gegenüber eines alten Rassisten pflegt, diesen zunächst fälschlicherweise des Mordes verdächtigt; obwohl Jewisons Werk eindeutig Partei ergreift, vermittelt er einen differenzierten Eindruck.
Als Kriminalfilm reißt In der Hitze der Nacht allerdings weniger mit und reiht eher die üblichen Versatzstücke aneinander. Der aufzuklärende Fall dient mehr als Vehikel für das eigentliche Thema des Films, der somit auch ein bisschen zu einer Versuchsanordnung verkommt, statt organisch zu wirken: „Was passiert einem gebildeten Afroamerikaner in rassistischer Umgebung?“
Die Antwort des Films darauf ist aller Ehren wert und setzte zur Zeit seiner Entstehung ein wichtiges Signal. Makabererweise erschien Jewisons Film zur richtigen Zeit – nur sechs Tage nach der Ermordung von Martin Luther King erhielt In der Hitze der Nacht bei der jährlichen Oscarverleihung fünf Goldjungen und schlug unter anderem die hochwertige Konkurrenz beim „besten Film“. Von dieser politischen Wirkung abgesehen verläuft In der Hitze der Nacht aus heutiger Sicht jedoch eher auf solidem Niveau, ohne mit mehr als seiner Moral aufwarten zu können.