Zwanzig Jahre dauerte die Ruhe, die Sylvester Stallone seiner ikonografischen Rolle gönnte, doch dann kehrte John Rambo im gleichnamigen Film 2008 zurück auf die Kinoleinwände. Nachdem der Protagonist in Rambo III noch gegen das russische Militär kämpfte und damit die personifizierte Glorifizierung der militärischen Weltmacht USA darstellte, stellt sich nun die Frage, ob die Konzeption der Reihe sich der Ära nach dem Kalten Krieg anpassen und das Schwarz-Weiß-Denken außen vor lassen kann.

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Filmkritik:

Bevor sich der geneigte Rezipient dazu weitere Gedanken machen kann, schockt ihn Stallones Regie jedoch mit heftiger Brutalität und schildert äußerst grafisch den Völkermord in Burma anhand einiger unbarmherziger Szenen, in denen wehrlose Geiseln von Soldaten der Militärjunta abgeschlachtet werden. Mit einer konventionellen Etablierung der Antagonisten hat dies nichts mehr zu tun: John Rambo transzendiert sein Genre.

Wo rassige Actionfilme über ihr Abstraktionsangebot leben und nur darüber erst Unterhaltung zulassen, wendet sich Stallone mit John Rambo gegen die Methodik des Unterhaltungskinos: Wenn Kinder mit Bajonetten ermordet, Frauen und Männern zerfetzt und verstümmelt werden, lässt sich das Geschehen kaum noch abstrahieren; Stallones Werk wendet sich vom konventionellen Actionfilm ab und erinnert in seinem schonungslosen Realismus mehr an Antikriegsfilme wie Der Soldat James Ryan.

Im ersten Augenblick mag Stallones Ansatz, Gewalt als das zu zeigen, was sie ist – erbärmlich und schrecklich – eine interessante Idee darstellen und nachvollziehbar die Weltsicht seines Protagonisten illustrieren, der sein Leben lang vor dieser sinnlosen Brutalität weggelaufen ist und doch immer wieder mit ihr konfrontiert wurde, doch im weiteren Verlauf offenbart John Rambo seine dann leider doch wieder überaus reaktionäre Weltsicht. Stallone hat keinen Antikriegsfilm gedreht, sondern beschwört letztlich doch wieder den archaischen Geist der Reihe, wenn er gemäß der ewig-gestrigen biblischen Maxime Gleiches mit Gleichem vergilt und einen unbesiegbaren Märchenhelden auf die gewissenlosen bösen Soldaten loslässt. Mit eiserner Härte schlägt Rambo zurück, merzt die Ungerechtigkeiten dieser Welt im Alleingang aus und erzeugt so was? Gerechtigkeit?

Dass John Rambo nur wenig Handlung und absolut keine Figurenentwicklung aufweist – geschenkt; in diesem Genre gleichen derartige Qualitäten eher der Kirsche auf der Sahnetorte. Doch das einfache Weltbild, das sich im Rahmen der Handlung auf Aktion – Reaktion herunterbrechen lässt und somit den Blutrausch der „Guten“ gegen die „Bösen“ rechtfertigt, lässt Stallones Ansatz in sich zusammenfallen. Damit funktioniert John Rambo weder als Antikriegsfilm, noch als launiger Actionfilm, sondern lebt einzig und allein von seiner grausigen Faszination, die Stallone kompromisslos einfängt.

So schön der Gedanke auch ist, Rambo in der letzten Szene nach 30 Jahren wieder nach Arizona, zur Farm seiner Familie zurückkehren zu lassen, entpuppt sich diese neu gefundene Versöhnlichkeit als zwiespältig: Wieso konnte Rambo seinen Frieden erst nach einer weiteren Tötungsorgie finden?

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DAS GENRE

Das Actiongenre zählt zu den ursprünglichsten Formen des Kinos. Das Medium Film begann als Show der Sensationen und findet noch heute seine Entsprechung: in aufwändigen Martial-Arts-Choreographien, rassigen Verfolgungsjagden und ausufernden Schusswechseln. Actionfilme geben uns die Möglichkeit, wieder Kind zu sein und leichtfertigem Eskapismus zu frönen.

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ÜBER DEN KRITIKER

Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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