Als Haupttreiber der Dogma 95-Bewegung predigte Lars von Trier einst größtmöglichen Realismus, wenige Jahre später vollzog er eine Kehrtwende: Sein 178-Minuten-Epos Dogville ist eine Liebeserklärung an das brecht’sche Theater und spielt komplett auf einer Bühne. Das titelgebende Dorf besteht lediglich aus Markierungen und wenigen Requisiten, was uns ein faszinierendes Filmerlebnis beschert. Der Abstraktion zum Trotz erweist sich Dogville als höchst lebendiger Film, woran besonders das spektakulär besetze Ensemble einen Anteil hat. Wie immer geht von Trier schonungslos mit Figuren und Publikum um, stellt Fallen und Herausforderungen, kommentiert und belehrt. Das mag nicht immer wahrhaftig sein, bleibt aber nachhaltig in Erinnerung.