Der Rückblick auf die goldene Fernsehära der Fünfziger Jahre vermittelt enorm viel Flair, wird beschwingt und humorvoll vorgetragen und profitiert einerseits durch den Retro-Charme der Sets und Kostüme, andererseits gelingt es den namhaften Darstellern, das Publikum mitzureißen – Colin Firth und Kevin Bacon strahlen eine wunderbare Chemie aus und harmonieren prächtig.
Doch dabei belässt es Egoyans cleveres Drehbuch nicht, denn Wahre Lügen verbindet geschickt zwei Zeitebenen und entwirft ein mysteriöses Vexierspiel, das allerlei Hintergründiges entlarvt. So entpuppt sich der bis dato aufgekommene Humor als Zynismus, was den Charme regelrecht pervertiert. Zudem der Film reizvolle Kontraste etabliert, wenn er die glorreiche Vergangenheit mit der deutlich trostloseren Gegenwart der beiden inzwischen zerstrittenen Entertainer spiegelt und auch deren öffentliches Saubermannimage ihren privaten Verruchtheiten gegenüberstellt.
In der zweiten Hälfte baut Wahre Lügen immer mehr Spannung auf, spielt offensiver mit Schein und Sein, entwickelt immer mehr Dynamik und glänzt mit einem stimmigen Finale – Egoyans Werk verläuft dramaturgisch ohne Durchhänger und auf handwerklich hohem Niveau, macht Spaß und verfügt über lebendige Figuren.