12 Monkeys

Regie: | Jahrzehnt: | Genre:


Filmkritik:

12 Monkeys stellt wahrscheinlich den bekanntesten Film von Terry Gilliam dar und bietet schöne Kost für Fans von Zeitreisefilmen. Insbesondere in der ersten Hälfte macht 12 Monkeys vieles richtig und glänzt durch die für Gilliam typische Stärken: So überzeugt die Bildsprache (vor allem wegen des unheimlich detailreich und expressiv gestalteten Setdesigns), was schnell ein düsteres Bild von der Zukunft der Menschheit zeichnet – in unmenschlichen Verhältnissen unter der Erde lebend, von einer unbarmherzigen, kafkaesken Führungselite geleitet. Zudem kommt Gillians gute Schauspielerführung zum Tragen: Während Brad Pitt in der dankbaren Rolle eines Verrückten mit einer starken Leistung seine noch junge Karriere ankurbelte, glänzt vor allem Bruce Willis in einer ungewohnt emotionalen Rolle und beweist, dass er nicht auf wortkarge, hartgesottene Charaktere festgelegt ist.

In der zweiten Hälfte gestaltet sich 12 Monkeys deutlich konventioneller und verliert deutlich an Spannung – das Geschehen wirkt narrativ etwas umständlich, prägnante Szenen bleiben aus und die Beziehung zwischen den Figuren seltsam rudimentär und funktionell. Erst in seinem Finale kann 12 Monkeys dann wieder mit Originalität punkten und hinterlässt einen insgesamt guten Eindruck, bietet unterhaltsames Hollywoodkino mit einigen unkonventionellen Nuancen.

Doch wie unfair ist es, einen konventionellen Hollywoodfilm mit einem avantgardistischen Kurzfilm zu vergleichen? Im Falle von 12 Monkeys komme ich nicht drum herum, basiert er doch auf Chris Markers Meisterwerk Am Rande des Rollfelds, den ich für den besten Kurzfilm der Kinogeschichte halte. Im direkten Vergleich bleibt festzuhalten, dass Gilliams Werk trotz seiner fünf Mal so langen Laufzeit weder die inhaltliche Tiefe, noch die Düsternis seiner Vorlage erreicht, sondern tatsächlich nur dessen geniale Idee aufgreift.

Handlung:

Im Jahre 2035 haben sich die Überlebenden einer globalen Virus-Katastrophe, der über fünf Milliarden Menschen zum Opfer fielen, unter die Erde zurückgezogen und leben von der Außenwelt hermetisch abgeriegelt. James Cole, ein ehemaliger Strafgefangener, wird von so genannten Wissenschaftlern in das Jahr 1996 zurückgeschickt, kurz bevor das Virus sich ausbreiten konnte, um die oder den Urheber der Ausbreitung ausfindig zu machen. Außerdem können die Informationen, die er über das tödliche Virus findet, helfen, ein wirksames Gegenmittel zu entwickeln. Versehentlich landet er jedoch im Jahre 1990 inmitten einer Nervenheilanstalt. Hier lernt er Jeffrey Goines kennen, der ihm von einer Armee der 12 Monkeys berichtet…

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4 Comments

  1. Daniel 19. Oktober 2013 at 2:35 - Reply

    12 Monkeys kann „weder die inhaltliche Tiefe, noch die Düsternis von Am Rande des Rollfelds“ erreichen?!

    Ehrlich? Dann hab ich eine riesen Lücke in meinen gesehenen Filmen und 12 Monkeys fand ich sehr gut. Aber da weiß ich jetzt, was als nächstes auf meiner „must see“ Liste steht 🙂

    Danke für den Hinweis.

    • Tom 19. Oktober 2013 at 9:23 - Reply

      Am Rande des Rollfelds hat den Vorteil, dass er wesentlich kompakter ist und die Standbilder den Zuschauer stärker miteinbeziehen. 12 Monkeys hat aufgrund seiner Zielgruppe andere Standards zu erfüllen und muss die Geschichte wesentlich deutlicher ausformulieren.

  2. Greatscifi 16. April 2015 at 19:15 - Reply

    Ich habe nun Am Rande des Rollfeldes leider noch nicht gesehen, werde das aber sicherlich nachholen. Wieso beweist Bruce Willis aber nur in der ersten Hälfte des Films, dass er nicht nur auf hartgesottene Charaktere festgelegt ist? Handlung: sicherlich ist der Handlung bisweilen nicht ganz einfach zu folgen, doch ich interpretiere das als pure Absicht. Die Heransgehensweise zwingt den Zuschauer m.E. von der ersten Minute an konzentriert der Handlung zu folgen, ein Umstand, der in der Science Fiction manchmal leider etwas kurz kommt. Ich zitiere mich mal selbst: „Die Story von David Webb und Janet Peoples ist so verrückt, so verdreht, dass man als Zuschauer die vollen 131 Minuten in konzentrierter Hochspannung erlebt.“ BTW: es wäre schön, wenn die Angabe einer E-Mail Adresse nicht Pflicht wäre.

    • Tom 20. April 2015 at 15:47 - Reply

      „Wieso beweist Bruce Willis aber nur in der ersten Hälfte des Films, dass er nicht nur auf hartgesottene Charaktere festgelegt ist?“

      Ich fand ihn in der ersten Hälfte tatsächlich deutlich ambivalenter als in der zweiten, wo er wieder eher in eine aktive Heldenrolle schlüpft.

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