Zudem kommt Gillians gute Schauspielerführung zum Tragen: Während Brad Pitt in der dankbaren Rolle eines Verrückten mit einer starken Leistung seine noch junge Karriere ankurbelte, glänzt vor allem Bruce Willis in einer ungewohnt emotionalen Rolle und beweist, dass er nicht auf wortkarge, hartgesottene Charaktere festgelegt ist.
In der zweiten Hälfte gestaltet sich 12 Monkeys deutlich konventioneller und verliert deutlich an Spannung – das Geschehen wirkt narrativ etwas umständlich, prägnante Szenen bleiben aus und die Beziehung zwischen den Figuren seltsam rudimentär und funktionell. Erst in seinem Finale kann 12 Monkeys dann wieder mit Originalität punkten und hinterlässt einen insgesamt guten Eindruck, bietet unterhaltsames Hollywoodkino mit einigen unkonventionellen Nuancen.
Doch wie unfair ist es, einen konventionellen Hollywoodfilm mit einem avantgardistischen Kurzfilm zu vergleichen? Im Falle von 12 Monkeys komme ich nicht drum herum, basiert er doch auf Chris Markers Meisterwerk Am Rande des Rollfelds, den ich für den besten Kurzfilm der Kinogeschichte halte. Im direkten Vergleich bleibt festzuhalten, dass Gilliams Werk trotz seiner fünf Mal so langen Laufzeit weder die inhaltliche Tiefe, noch die Düsternis seiner Vorlage erreicht, sondern tatsächlich nur dessen geniale Idee aufgreift.