Upgrade für ein B-Movie: Mit Terminator 2 hob James Cameron das erfolgreiche Konzept des günstig produzierten ersten Teils in Blockbuster-Sphären. Dank des damaligen Rekordbudgets von 100 Millionen Dollar protzt der Filmemacher mit aufwendigen Setpieces und Spezialeffekten, opfert dafür aber die Stärken des Vorgängers.

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Filmkritik:

Erneut versuchen die Maschinen der Zukunft, den Krieg gegen die Menschen in der Vergangenheit zu entscheiden. Zehn Jahre nach den Ereignissen von Teil 1 schicken sie das neuste Modell der Terminator-Reihe in das Jahr 1995, um den zukünftigen Anführer der Menschheit im Teenager-Alter zu eliminieren. Die Menschen der Zukunft bleiben nicht untätig und schicken erneut einen Beschützer – einen umprogrammierten Terminator der alten Reihe.

Heutzutage genießt das Franchise trotz vieler schwacher Teile eine große Popularität, doch 1984 war das noch anders – an den Kinokassen schnitt Terminator  lediglich solide ab. Erst auf dem Heimkinomarkt entwickelte sich der grimmige Science-Fiction-Thriller zum Kultfilm. James Cameron feierte derweil mit dem spektakulären Aliens einen Erfolg und brachte sich damit in eine exzellente Position, um Terminator auf die nächste Stufe zu heben.

Aufgrund des budgetinduzierten Erfolgsdrucks verordneten die Produzenten dem Originalrezept eine andere Gewichtung. Die FSK 18-Freigabe des ersten Teils stellte für den Nachfolger und dessen jüngere Zielgruppe keine Option mehr dar; folglich schraubt Cameron die Gewaltdarstellung herunter und zielt mit einer ordentlichen Portion Humor auf einen höheren Entertainment-Faktor.

Diese Entwicklung passte hervorragend zum Imagewandel, den Arnold Schwarzenegger seit Ende der Achtziger Jahre anstrebte. Mit Filmen wie Red Heat und Total Recall orientierte sich der Star in Richtung einer ironischeren und damit massenkompatibleren Rollenauswahl, die in Terminator 2 ihren Höhepunkt finden sollte.

Ein simpler Drehbuchschachzug stellt Schwarzeneggers Auftritt im Vorgänger auf den Kopf: Sein T-800 wird schlichtweg umprogrammiert und avanciert zum metallenen Superhelden. Als solcher tötet er im gesamten Film nicht einen Menschen und entschärft seine Gewaltanwendung durch Sätze wie „Hasta la vista, baby“.

Auf die Ikonografie (und die Vermarktbarkeit) der Figur wirkt sich dieser Wechsel positiv aus, weil Schwarzeneggers einnehmende Präsenz noch besser zur Geltung kommt; die Vorteile bringen jedoch auch konzeptuelle Probleme mit sich.

Die Terminator-Reihe lebt vom Kampf zwischen Mensch und Maschine: Herz gegen Logik, Fleisch gegen Stahl. Der erste Teil profitiert enorm vom Kontrast zwischen dem getriebenen menschlichen Beschützer Kyle Reese und dem kalten Killerkoloss Schwarzeneggers.

Davon bleibt in Teil 2 wenig übrig: Der Mensch spielt nur noch eine untergeordnete Rolle, sein Schicksal wird im Kampf zwischen zwei Maschinen entschieden. Der T-1000 mag Schwarzeneggers Altmodell überlegen sein und gibt (auch dank des eindrucksvoll minimalistischen Spiels von Robert Patrick) einen großartigen Antagonisten ab, die Auseinandersetzung der beiden Killerroboter verliert jedoch jegliche Fallhöhe.

Terminator 2 nimmt eines der Hauptprobleme von Superheldenfilmen wie den Avengers vorweg: Für die unkaputtbaren Protagonisten bleiben versengtes Fleisch und durchbohrte Haut ohne Konsequenzen, was die Kämpfe über weite Strecken egalisiert.

Einen hohen Unterhaltungswert entwickeln die meisten Actionszenen trotzdem. Die aufwendig gestalteten Setpieces – etwa die Verfolgungsjagd zwischen einem Motorrad und einem Truck in den leeren Abwasserkanälen von Los Angeles – begeistern durch ihre kinetische Energie, die dynamische Kamera, gute Stuntarbeit und eine Vielzahl praktischer Effekte.

James Cameron gelingt es, den Bombast nahtlos mit den handlungstragenden Szenen zu verschmelzen. Er beschwört in der ersten Filmhälfte gekonnt die heraufziehende Apokalypse der Menschheit und führt die Ideen des ersten Teils fort: Erneut liefern sich Held und Bösewicht ein Wettrennen zur Zielperson, wieder kommt es anschließend zum ständigen Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden Parteien.

Durch das Zusammentreffen von Sarah Connor, der Heldin des ersten Teils, ihrem Sohn John und Schwarzeneggers T-800 endet die erste Filmhälfte mit einem Höhepunkt, der gleichzeitig eine Zäsur darstellt. An dieser Stelle verabschiedet sich Terminator 2 vom Modus Operandi des Vorgängers, um mehr Zeit in die Weitererzählung der Geschichte zu stecken. Darunter leidet die Dramaturgie, der Film fällt in ein Spannungsloch.

Die deutlich schwächere zweite Hälfte findet spät zum Actionkino zurück und bleibt dabei ziemlich uninspiriert. Der solide Unterhaltungslevel findet erst im Finale eine Steigerung, wenn Terminator 2 sich erneut der Stärken des Vorgängers besinnt und dessen Ende wieder aufleben lässt.

Camerons Sequel erreicht nie die atmosphärische Dichte des urbanen Horrorszenarios von Terminator, sein 100-Millionen-Dollar-Upgrade glänzt allerdings mit großen Schauwerten und einem Hang zur Epik. Insbesondere die erste Hälfte liefert ein Musterbeispiel für niveauvolles Blockbusterkino mit hohem Unterhaltungswert.

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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