Der Mann mit der Narbe

Regie: | Jahrzehnt: | Genre:
Strömung: |

Filmkritik:

Der Mann mit der Narbe beginnt als rassiger Gangsterfilm, mit einem Raubüberfall. Dieser gelingt zwar, erweist sich dennoch als fatal für alle Beteiligten, denn das Geld gehörte der Mafia, die die Jagd auf die Diebe eröffnet. Schnell bleibt nur noch der Drahtzieher der Aktion übrig. Dieser von Paul Henreid nicht ohne Reiz gespielte Gangster ist die Hauptfigur des Films und fortan auf der Flucht.

Zum Leidwesen des eiskalten, selbstsicheren Protagonisten und zum Amusement des Publikums kommt der Kriminelle zwar in einer beschaulichen Kleinstadt unter und kann sich eine falsche Existenz aufbauen, darf dabei jedoch das erbeutete Geld nicht in Umlauf bringen und hat mit allerlei inneren Konflikten zu kämpfen – konnte sich der Gangster in früheren Tagen einfach nehmen, was er wollte, sich sein Glück erzwingen und immer den leichten Weg wählen, ist er nun gezwungen, auch mal zurückzustecken, sich in Demut und Geduld zu üben. Dass dies nicht lange gut gehen kann, wird schnell offenkundig, doch just in diesem Augenblick lernt der Kriminelle einen Psychologen kennen, der haargenau aussieht wie er – eine perfekte Gelegenheit, um seine gefährliche Vergangenheit hinter sich zu lassen und etwaige Verfolger abzuschütteln.

Ab diesem Zeitpunkt gibt sich Der Mann mit der Narbe ganz seinem Status als B-Movie hin und stürzt sich mit Wonne in die vielen Doppelgängermotive und Identitätsfragen, an denen Hitchcock wohl seine reine Freude gehabt hätte. Allerdings lässt Der Mann mit der Narbe den jeglichen glaubwürdigen Unterbau einfach mal außen vor: Figurenzeichnung und psychologische Aspekte werden ebenso missachtet wie jegliche Kohärenz. Das Drehbuch besteht aus einer Ansammlung von Zufällen, unglücklichen Verwicklungen und gebrechlichen Plotelementen. Auf emotionaler Ebene ist das Geschehen kaum ernst zu nehmen, doch der Film Noir funktioniert trotzdem erstaunlich gut, weist ein hohes Tempo auf und unterhält durchgängig. Als besonders gewitzt erweist sich das Finale, dessen für den Film Noir typische Fatalität zwar nicht überrascht, aber derart plötzlich und grob herbeifabuliert wird, dass es den Eindruck eines deus ex machina in negativer Form erweckt, eines diabolus ex machina quasi; dies sorgt für bitterkomische Verwunderung.

Zu den Glanzstücken der Strömung zählt Der Mann mit der Narbe nicht, kann optisch wie narrativ nicht mit den Referenzfilmen mithalten, bietet mit seinem unkonventionellem Charme aber stimmige Unterhaltung.

Handlung:

Der Gangster John Muller wurde gerade erst aus dem Gefängnis entlassen und plant bereits seinen neuesten Coup: Er will ein illegales Spielcasino ausrauben, das von der Mafia betrieben wird. Der Diebstahl schlägt fehl – Muller flieht. Doch die Mobster wissen genau, wer hinter ihrem Geld her war und machen Jagd auf ihn. Aber das Glück ist auf Mullers Seite: Als er dem Arzt Dr. Bartok begegnet, der ihm fast bis auf das Haar gleicht, wittert Muller eine Chance: Er muss dessen Identität stehlen, um sich in Sicherheit zu bringen.

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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2017-06-15T17:14:17+00:00

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