Wie beim Neorealismus üblich, handelt Der Schrei von Menschen der Arbeiterschicht und schildert deren Leben als schlicht und entbehrungsreich, was der Film in zurückhaltenden Bildern eher passiv dokumentiert, anstatt wie das Kino Hollywoods einem klassischen dramaturgischen Aufbau zu folgen.
Dennoch nutzt Antonioni die Formeln des Neorealismus nur, wenn es seinen Motiven dient, denn im Gegensatz zur Strömung dreht sich Der Schrei weniger um das Anprangern von gesellschaftlichen Missständen, sondern um eine persönliche Geschichte. Dabei versteht es der Regisseur meisterhaft, mit durchdachter mise en scéne, starren Kamerakompositionen und der Schauplatzwahl das Innenleben seiner Protagonisten widerzuspiegeln.
Es handelt sich um keinen Zufall, dass der einsame, enttäuschte Protagonist Aldo wie Fremdkörper in den Bildern wirkt, die dominiert werden von leerem Raum und großen, seelenlosen Gebäuden. Wir sehen auch kein sonniges Postkartenitalien, sondern ein tristes Land im kalten Winterschlaf. Die bei Antonioni übliche Distanz zu den Figuren, die immer auch exemplarische Beobachtungsobjekte darstellen, erschwert allerdings auch einen emotionalen Zugang zu den Protagonisten.