Die Brücke am Kwai zählt zu den Klassikern des Antikriegsfilms. Das Epos des britischen Regisseurs David Lean gewann sieben Oscars und besticht weniger durch die Darstellung der Kriegsgräuel als durch eine clevere Verlagerung der Gefechte, die statt auf Schlachtfeldern in den Köpfen der Protagonisten ausgefochten werden.

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Filmkritik:

Auch die titelgebende Brücke erweist sich lediglich als Symbol und Ausgangspunkt der Geschichte, die die Kriegsführung geschickt auf drei gänzlich gegensätzliche Figuren herunterbricht, als eine Kompanie gefangener britischer Soldaten in ein japanisches Arbeitslager verlegt wird, um dort eine kriegswichtige Brücke über den Fluss Kwai zu bauen.

Sollte die Brücke nicht termingerecht stehen, droht dem Lagerleiter Colonel Saito der Selbstmord, weshalb er aufgrund des enormen Zeitdrucks die Genfer Konvention missachtet – um selbst zu überleben, gibt er die Menschenwürde auf. Ihm diametral gegenüber steht der britische Offizier Nicholson (Alec Guinness), der lieber für seinen britischen Stolz sterben würde, als die Soldatenehre für sein Überleben zu opfern. William Holden als amerikanischer Commander Shears ist der Dritte im Bunde – umringt von einem Panzer aus Zynismus, hat er sämtliche Ideale und Überzeugungen geopfert, um sich einen Rest der eigenen Freiheit zu erhalten.

Gekleidet in ansprechende Cinemascope-Bilder und dank des exotischen Schauplatzes mit einer dichten Stimmung ausgestattet, spielt Die Brücke am Kwai gekonnt die drei Wertesysteme seiner Protagonisten gegeneinander aus und verlässt sich angesichts der reduzierten Handlungsebene ganz auf das Ensemble. Bisweilen sonnt sich Lean zu lange in seinen Dschungelbildern, eine Kürzung der 161 Minuten umfassenden Spielzeit hätte den Fokus klarer auf den Konflikt zwischen den Soldaten gelegt. Allerdings empfahl sich David Lean gerade durch diese Epik für weitere Monumentalfilme und durfte in den Folgejahren Prestigewerke wie Lawrence von Arabien und Doktor Schiwago drehen.

Obwohl es die Marschmusik des Films zu großer Berühmtheit gebracht hat, gilt ihr mein Hauptkritikpunkt – der Score wirkt seltsam fröhlich und szenenweise sogar deplatziert, raubt Leans Werk durch diese akustische Ironie einiges von seiner Dramatik. Das packende Finale funktioniert auch so prächtig, weil hier auf Musik verzichtet wird: Das Geräusch eines auf die Brücke zufahrenden Zuges erweist sich in seiner Simplizität als unheimlich effektiv und sorgt für einen dramaturgischen Höhepunkt. Spätestens im Finale entlarvt Lean auch die Tücken von Idealen, die sich verselbstständigen und ihren Kern pervertieren. Dabei formuliert Die Brücke am Kwai eine Kritik am bornierten Militarismus, der als praktische Ausprägung dieser fehlgeleiteten Ideale fatale Auswirkungen entwickeln kann.

Die Brücke am Kwai zählt nicht zu jenen Antikriegsfilmen, die überwältigen und verstören; Leans Werk verfolgt auf hohem handwerklichen Niveau ein klares Konzept und trifft mit seiner Botschaft zielsicher ins Schwarze. Die finalen Worte des Films bringen seine Aussage letztlich auf den Punkt: Auf den Krieg lässt sich keines der Wertgefüge der drei Protagonisten anwenden, eine moralische oder intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Krieg muss scheitern – am Ende bleibt er zwangsläufig reiner Wahnsinn.

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DIE ÄRA

In den Fünfziger Jahren befanden sich die weltweiten Studiosysteme auf dem Zenit ihrer Schaffenskraft. In den Vereinigten Staaten, Japan und Frankreich versammelten die Studios eine ungeheure Menge an Talent und veröffentlichten dank des geballten Produktionsniveaus zahllose Meisterwerke. Einen gewichtigen Anteil daran ist auch den Regisseuren zuzuschreiben, die sich innerhalb des Systems Freiheiten erkämpften und so ihr Potenzial ausspielen konnten.

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Obwohl das Genre auf ein spezifisches Thema festgelegt ist, bieten sich dem Betrachter eine Vielzahl Subtexte und Motive. Während Kriegsfilme sich vornehmlich auf Abenteuer, Kameradschaft und Heldenmut konzentrieren, eröffnen sich im Antikriegsfilm eine Vielzahl von Themen: Moral und Menschenrechte, der Horror und die Absurdität des täglichen Grauens oder die perverse Systematik dahinter.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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