Basierend auf Romanideen der Sci-Fi-Größen Jules Verne und H.G. Wells erzählt der französische Klassiker von einer Gruppe Wissenschaftler, die sich mit einer gigantischen Kanone auf den Mond schießen lassen (und in einer berühmten Sequenz in dessen rechtem Auge landen), dort auf feindselige Bewohner treffen und nach einigen Kämpfen zurück zur Erde flüchten. Die Handlung von Die Reise zum Mond erscheint zwar simpel und oberflächlich, der Film trägt sie jedoch in einem für damalige Verhältnisse wahnwitzigem Tempo vor und sorgt damit für einen hohen Unterhaltungswert.
Angesichts der inzwischen gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse wirkt die damalige Imagination der Raumfahrt abstrus – die „Astronauten“ benötigen weder Raumanzüge noch Sauerstoffmasken. Das schmälert die Filmerfahrung allerdings kein bisschen, sondern trägt zum Charme des Werkes bei. Darüber hinaus rufen diese Fehler uns ins Gedächtnis, dass die Entstehung dieses Stummfilms sich auf einem Zeitstrahl dichter am amerikanischen Unabhängigkeitskrieg als an der ersten Mondlandung im Jahr 1969 befindet.
Als treibende Kraft hinter Die Reise zum Mond agierte Georges Méliès, der Pionierarbeit für das moderne Kino leistete und um die Jahrhundertwende über 500 Kurzfilme drehte. In einer Zeit, in der Film hauptsächlich für die Dokumentation der Wirklichkeit genutzt wurde, verschrieb sich der ehemalige Schaubühnenmagier ganz der Fantasie und produzierte sensationelle Unterhaltungsfilme, für die er erfolgreich mit der Kombination aus Theaterelementen und Filmtechnik experimentierte.
Die Reise zum Mond brilliert durch seine gezeichneten Bühnenkulissen, die das Geschehen auf der Erde, vor allem jedoch die Mondlandschaft durch unzählige Details belebt. Für die Spezialeffekte setzte Méliès wie im Theater kleine Rauchbomben ein, bediente sich jedoch auch technischer Mittel, die nur das Medium Film erlaubte – beispielsweise bebildert der Regisseur die Annäherung des Raumschiffes an den Mond durch einen Zoom, der die überwundene Entfernung widerspiegelt. Zum Repertoire des Franzosen zählen außerdem Doppelbelichtungseffekte und eine geschickte Montage.
Für das Kino als modernes Unterhaltungsmedium schuf Georges Méliès mit seinen unzähligen Arbeiten wichtige Grundlagen. Die Reise zum Mond stellt sein berühmtestes Werk dar und lässt sich zwar nur noch als filmhistorisches Relikt betrachten, vermittelt dabei jedoch auf unterhaltsame Weise die Anfänge des Kinos.