In seinem zweiten Werk Predator besinnt sich Regisseur John McTiernan auf den archaischen Kern des Actiongenres: Erstmals erhält Arnold Schwarzenegger einen ebenbürtigen Gegner und muss den Waffen der Moderne entsagen, um gegen einen außerirdischen Feind bestehen zu können.

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Filmkritik:

Zunächst verläuft Predator konventionell und nutzt die erste halbe Stunde, um das Szenario zu etablieren und die ganz auf Oberflächen beschränkten Figuren. Der Film schildert die Geiselbefreiungsmission einer amerikanischen Spezialeinheit im Dschungel Mittelamerikas und schließt seine Exposition mit einem set piece ab, als die Soldaten das Lager der gesichtslosen Antagonisten finden und stürmen.

Der explosive Angriff schickt nicht nur mehrere Dutzend Statisten in den Tod, sondern legt auch sämtliche Hütten in Schutt und Asche, was angesichts der potenziell darin befindlichen Geiseln genauso verwundert wie der rohe, unübersichtliche Schnitt, der sich nicht als spannungsfördernd erweist. Launige Unterhaltung bietet diese erste Actioneinlage dennoch.

Im weiteren Verlauf wagt sich das Drehbuch dann jedoch an einen für damalige Verhältnisse ungewohnten Spagat und bricht mit den zuvor gezeigten Elementen, was den Reiz von McTiernans Werk ausmacht: Wo sich die Soldaten zu Beginn des Films mit ihrer Machoattitüde, dem militärischen Equipment und einigen sexuellen Anzüglichkeiten in bester Tradition des Genres als selbstsichere Alphatiere brüsten, tritt ihnen plötzlich ein außerirdischer, weit überlegener Gegner entgegen und stellt damit die Regeln des Actionfilms auf den Kopf, macht die Jäger zu Gejagten und dezimiert sie unaufhörlich.

Neben den auch heute noch gut anzusehenden Spezialeffekten, die vor allem bei der chamäleonartigen Tarnung und der Laserwaffe des Außerirdischen zum Tragen kommen, zählt vor allem Hauptdarsteller Arnold Schwarzenegger zu den Stärken des Films. Nach dessen Durchbruch mit Terminator drehte der Österreicher drei einfallslose Actionvehikel in Folge (Phantom Kommando, Der City Hai und Running Man) und konnte seiner Karriere mit Predator einen erheblichen Schub verleihen, weil seine Figur hier erstmals einen ebenbürtigen Gegner vorfindet.

Schwarzeneggers Physis kommt so gut zur Geltung, weil seine Figur die vermeintlichen Stärken aufgibt: Sprengsätze erweisen sich als ebenso nutzlos wie Sturmgewehre, sodass Major Dutch Schaefer der Technologie seiner Kriegerkaste entsagt und das Finale des Films mit nacktem Oberkörper und naturgegebenen Waffen einläutet. Gewissermaßen als Stellvertreter für das Evolutionspotenzial der Menschheit adaptiert er, um zu überleben, und tut es den Urzeitmenschen seiner Gattung gleich, die sich auf ihre Intelligenz und ihren Instinkt verlassen mussten.

Predator mag nicht besonders furios inszeniert sein, doch dramaturgisch funktioniert er gut und erzeugt einige Spannung. Schwarzeneggers körperliche Präsenz, der mysteriöse und stets gefährlich wirkende außerirdische Jäger und einige gelungene Einzelszenen sorgen für gute Unterhaltung.

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Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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