Die roten Schuhe

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Filmkritik:

Das britische Ballettdrama Die roten Schuhe kombiniert gekonnt doppelbödig das gleichnamige Märchen von Hans Christian Andersen mit dem Werdegang seiner Protagonistin, schwelgt in prächtigen Technicolorbildern und lieferte die Vorlage für Darren Aronofskys ähnlich gelagerten Horrorfilm Black Swan.

Das Regisseursduo Michael Powell und Emeric Pressburger sicherte sich einmal mehr die volle kreative Kontrolle: Die beiden schrieben das Drehbuch, führten Regie und produzierten den Film. Damit konnten sie sich auch eine Spielzeit von mehr als zwei Stunden gönnen und die Gelegenheit wahrnehmen, einige ausführliche Ballettszenen einzubauen. Wer mit dieser grazilen Kunst wenig anfangen kann, sollte sich von Die roten Schuhe dennoch nicht einschüchtern lassen – die Ballettaufführungen werden mit den Mitteln des Kinos eingefangen und wirken daher wie ein Film im Film, anstatt wie eine bloße Abbildung des Bühnengeschehens zu wirken.

Wie schon zuvor in ihrem exotischen Drama Die schwarze Narzisse setzen die Regisseure farbenprächtige Technicolorbilder ein und filmten beinahe ausschließlich im Filmstudio. Kameramann Jack Cardiff ließ sich von den Gemälden Van Goghs inspirieren, serviert ungeheuer ästhetische Bildkompositionen und strahlende Farben. Die beeindruckenden Bühnenkulissen der Ballettsequenzen vermischen sich nahtlos mit den prunkvollen Dekors der Szenen außerhalb der Theater, sodass sich Die roten Schuhe als Allegorie lesen lässt: Das Leben und die Kunst imitieren einander.

Neben der visuellen Pracht überzeugen auch die spielfreudigen Darsteller und fangen das langsame Tempo auf. Mit Moira Shearer verpflichteten Powell und Pressburger eine ausgebildete Ballerina, die ihre Parts selbst tanzen konnte – ein unschätzbarer Vorteil gegenüber ähnlichen Filmen, zumal Shearer auch als Schauspielerin eine glaubhafte Leistung abliefert. Für den nachhaltigsten Eindruck sorgt der emigrierte Österreicher Anton Walbrook als dogmatischer Intendant Lermontov, der seine Szenen mit einer donnernden Performance und großer Ausstrahlung an sich reißt.

Erzählerisch erweist sich Die roten Schuhe als weniger stark und schlägt zu wenig Kapital aus seiner reizvollen Idee, die Geschichte aus Andersens Märchen mit einer Rahmenhandlung zu synchronisieren. Zu lange benötigt der Film für das Etablieren tiefgreifender Konflikte und zu wenig effektvoll spielt er sie im letzten Drittel aus. Erst im abrupten Finale erklimmt das britische Drama erstmals dramaturgische Höhen, sodass zumindest die letzten Minuten des Films einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Handlung:

Für die junge Victoria Page wird ein Traum wahr: Impresario Lermontov holt sie in seine legendäre Balletttruppe. Um aus ihr eine große Tänzerin zu machen, verlangt er vollste Hingabe. Mit dem Ballett Die roten Schuhe avanciert Victoria schließlich zur gefeierten Primaballerina. Doch verliebt sie sich bei der Arbeit daran in den Komponisten Julian Craster – eine Entwicklung die Lermontov als Ablenkung von der Kunst betrachtet und nicht hinzunehmen gewillt ist. Hin- und hergerissen zwischen ihrer Liebe zu dem jungen Komponisten und ihrer Verehrung für den dämonischen Lermontov tanzt sie auf den Abgrund zu…

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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