Die Taschendiebin

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Filmkritik:

Mit Die Taschendiebin knüpft der südkoreanische Filmemacher Park Chan-wook an seine glorreichen Zeiten an: Mehr als zehn Jahre nach dem Abschluss seiner Rachetrilogie und acht Jahre nach seinem letzten koreanischem Werk Durst meldet sich Park eindrucksvoll zurück und weiß zu überraschen.

Die Taschendiebin ist nicht nur ein guter Film geworden, sondern dokumentiert eine Weiterentwicklung des Regisseurs, der nun deutlich subtiler als gewohnt zuwerke geht und ein überaus sinnliches Erlebnis serviert. Von Anfang an begeistert sein Krimi mit famoser Bildgestaltung und einer effektvollen Kameraarbeit; insbesondere die Außenaufnahmen wirkten regelrecht gemalt. Dominiert wird der Film jedoch von den Innenaufnahmen des japanisch-viktorianischen Landsitzes, der Die Taschendiebin den Charme eines period pictures verleiht und gleichzeitig ein Versprechen an das Publikum abgibt: Ein Haus mit derart vielen Winkeln, Spiegeln und mechanischen Apparaturen mag Geheimnisse bergen, die entdeckt werden wollen.

Auch am Plot, der auf einer adaptierten britischen Romanvorlage beruht, hat Park seine Freude und inszeniert mit großer Souveränität ein doppelbödiges Vexierspiel, das mit nur vier Akteuren auskommt und trotz der überdurchschnittlichen Laufzeit von 145 Minuten ohne Durchhänger verläuft. Gekonnt führen die Protagonisten mit ihren Lügen und Geheimnissen nicht nur einander, sondern auch den Zuschauer in die Irre, was dank der clever verschachtelten Narration und unzähliger kleiner Details hervorragend gelingt und bisweilen an Akira Kurosawas Klassiker Rashomon oder Christopher Nolans Prestige erinnert. Dabei überzeugt vor allem, wie organisch und elegant das Drehbuch das Geschehen wirken lässt. Die Wendungen wirken niemals aufgesetzt und auch Parks Regie verzichtet auf Effekthascherei, lässt die gute Geschichte mit ihren starken Figuren für sich sprechen.

In seinen besten Momenten spielt Die Taschendiebin mit den Wechselwirkungen aus Macht, Abhängigkeit und Leidenschaft, denn die Bedürfnisse aller Protagonisten sind miteinander verwoben und ihr Verhältnis zueinander befindet sich stets im Fluss, was dem Film sein Suspense verschafft. Parks Werk sinniert über den schmalen Grat zwischen Leidenschaft und Fetisch, zwischen positiven Kräften, die die Figuren antreiben und negativen, die sie in den Untergang ziehen. Dabei gelingt es dem Regisseur fabelhaft, das Geschehen wahlweise durch ein wohlwollendes Augenzwinkern zu ironisieren, oder es aber leicht spöttisch zu hinterfragen und als grotesk zu entlarven. Die Exzesse aus Parks früheren Werken finden sich auch hier, allerdings deutlich vergeistigt – wo die Gewalt von Oldboy oder Sympathy For Mr. Vengeance die Körper der Figuren malträtierte, verkehrt Park den Ansatz in Die Taschendiebin ins Gegenteil und schildert gleich im doppelten Sinne die Befreiung aus geistiger Gefangenschaft durch die Freuden der Körperlichkeit.

Der Plot mag letztlich gar nicht mal so komplex wirken, wie er inszeniert wurde, dennoch vermag Die Taschendiebin zu überzeugen. Die großartigen Darsteller, die tollen Schauwerte, die gelungene musikalische Untermalung und die souveräne, durch unzählige Details gespickte Narration sorgen für ein stimmiges Filmerlebnis, dem auch jene Filmfans eine Chance geben können, die mit den vorherigen Werken von Park Chan-wook wenig anfangen konnten.

Handlung:

Das japanisch besetzte Korea der Dreißiger Jahre: Der strenge Kouzuki lebt als Vormund mit seiner so vermögenden wie naiven Nichte Hideko auf einem Landsitz und giert nach dem Vermögen seiner Schutzbefohlenen, die er deshalb bald heiraten will. Dabei bekommt er jedoch unversehens Konkurrenz: Der Betrüger Fujiwara plant ebenfalls, das Herz der jungen Frau zu gewinnen und schleust dafür die Taschendiebin Sookee als neues Dienstmädchen ein – gegen einen Teil der Beute soll sie die junge Frau zugunsten Fujiwaras beeinflussen…

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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2017-06-15T23:20:29+00:00

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