Scorseses Mafia-Las Vegas wird in der ersten Stunde der Spielzeit mit viel Verve und famosem Stilwillen vorgestellt. Nebenbei beweist Casino damit, dass eine gute Narration nicht zwingend auch einen roten Faden mit zahlreichen Handlungselementen voraussetzt.
Nach der Exposition konzentriert sich das Skript gänzlich auf die Charakterzeichnung seiner drei Hauptfiguren: Einen Gangster, einen Kasinoleiter und eine Edelprostituierte. Die beiden Erstgenannten werden von Robert De Niro und Joe Pesci verkörpert. Das Duo harmoniert schon in GoodFellas hervorragend. Sharon Stone überragt die beiden sogar noch: Als Ginger McKenna legt sie einen der besten Auftritte ihrer Karriere hin. In besonderer Erinnerung bleibt auch die Kameraarbeit von Robert Richardson.
Zum Ende des zweiten Drittels hin verliert Casino dann etwas an Schwung, die Beziehungskrise zwischen De Niros und Stones Figur verläuft zu vorhersehbar. Dabei geht es Scorsese sicherlich auch nicht um Überraschungen; er etablierte neben den harten Dollars eine zweite Währung und beweist, dass De Niros Ace Rothstein seine funktionierenden Methoden zur Geldgewinnung nicht auf das Gebiet der Liebe ummünzen kann.
In diesem Part sinniert Casino über das grundsätzliche Wesen des Kapitalismus und dessen Ökonomie. Im Finale schlägt Scorsese den Bogen zurück zum Ausgangspunkt. Wie schon in Brian de Palmas Scarface scheitert letztlich sogar die Mafia am Kapitalismus. Die Mobster verlieren Las Vegas, weil sie – ironischerweise – nicht ganz so gierig wie die nachrückenden großen Konzerne agieren.