Elephant

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Filmkritik:

In Elephant schildert Gus van Sant aus verschiedenen Blickwinkeln die letzten fünfzehn alltäglichen Minuten vor einem Amoklauf an einer Highschool und wurde dabei stark durch die Bluttat im amerikanischen Littleton beeinflusst.

Elephant ist der zweite Film der sogenannten Trilogie des Todes, die auch Gerry und Last Days umfasst. Als Reaktion auf mehrere Flops drehte van Sant die drei Werke mit erheblich reduzierten filmischen Mitteln. Mit Erfolg: Für Elephant gewann er die goldene Palme und den Preis für die beste Regie der Filmfestspiele in Cannes.

Über weite Strecken der nur 78-minütigen Spielzeit mutet van Sants Werk wie ein unkonventioneller Dokumentarfilm an. Ohne ausgeprägte Dramaturgie oder Figurenzeichnung folgt die Kamera einigen Schülern durch die Flure der Highschool, beobachtet ihre knappe Unterhaltungen und alltäglichen Tätigkeiten. Selbst in den letzten Minuten, wenn die um sich schießenden Attentäter ein Blutbad anrichten, behält der Film seine ruhige Geschwindigkeit und den verhaltenen Tonfall bei. Durch den Einsatz von Laiendarstellern, einem hohen Grad an Improvisation und dezenter Musik wirkt Elephant in jedem Moment wie ein realistisches Abbild der Wirklichkeit.

Im Nachhinein zeigt sich, dass wir Zeuge des letzten Kapitels eines Katastrophenfilms wurden, dessen Beginn weit vor der von Elephant abgebildeten Zeitspanne liegt. Van Sants Werk versetzt uns in die Lage dreier Blinder, die verschiedene Zonen eines titelgebenden Elefanten ertasten und dabei anhand von Rüssel, Rumpf und Bein zu unterschiedlichen Vorstellungen über Aussehen und Wesen dieses Tieres kommen. Ohne die Möglichkeit, das Nicht-Sichtbare der Vergangenheit zu antizipieren, können wir nicht absehen, welche Ausgrenzung, welche Unterdrückung, welche Enttäuschung Eric und Alex auf diese unsichtbare Bahn führte, deren finalen Verlauf die Kamera so erbarmungslos nachfährt.

Diese Erfahrung ermöglicht Elephant durch seinen Ansatz einer objektiven Beobachtung. Van Sant dividiert eben nicht fein säuberlich Ursache und Wirkung auseinander und richtet das Ganze dramaturgisch freundlich als Hollywoodhäppchen an, sondern schildert das Geschehen vollkommen wertungsfrei. Damit erweist sich Elephant auch als spannende Reflexion über das Medium Film als Zeichensystem – wir sehen alle dasselbe, lesen es aber unterschiedlich.

Insbesondere das Porträt der Amokläufer besitzt eine entlarvende Wirkung – hilflos angesichts einer solchen abstrakten, irrationalen Tat, flüchten wir uns in oberflächliche Erklärungsversuche und verdrängen die Banalität des Bösen, indem wir sie mit Bedeutung aufladen. Wer versucht, das Unerklärliche zu erklären, erzeugt lediglich ein Echo seiner eigenen Wahrnehmung – wie der Blinde, der den Rüssel des Elefanten betastet und unweigerlich zu der Annahme kommt, ein Elefant krieche am Boden wie eine Schlange.

Vor allem negative Rezensionen verweisen häufig auf die Tatsache, dass der Film die beiden jungen Täter dabei beobachtet, wie sie Ballerspiele spielen oder eine Doku über den Nationalsozialismus schauen. Wer das für erwähnenswert hält, spiegelt letztlich nur eigene Vorannahmen, denn der Film schildert diese beiden Tätigkeiten gleichberechtigt neben zahlreichen anderen: dem Klavierspiel, dem Zeichnen, dem Lesen, dem Alleinsein. Die Gründe für den Amoklauf mag jeder suchen, wo er will; finden wird er sie nicht.

Letztlich scheint nur der immer wieder gezeigte wolkenverhangene Himmel die Antworten zu kennen. Elephant lehrt uns derweil die Demut, das Unerklärliche zu ertragen und erinnert uns daran, jedem Menschen Mitgefühl entgegen zu bringen.

Handlung:

Alltag an einer amerikanischen High School: Der Nachmittag besteht aus Unterrichts- und Freistunden, Pausengesprächen und dem Besuch der Cafeteria. Doch an diesem Tag ist alles anders: Zwei Schüler kommen mit Gewehren und Taschen voller Munition. Der Beginn eines Blutbades…

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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