Last Days schließt Gus van Sants Trilogie des Todes ab und führt den Stil der Filmreihe noch konsequenter fort. Der Film beobachtet aus der Ferne die letzten Tage eines umnachteten Rockstars, der eine frappierende Ähnlichkeit mit Kurt Cobain aufweist.

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Filmkritik:

Van Sant drehte den Film zehn Jahre nach dem Selbstmord des Nirvana-Frontmanns und merkt in einer Texttafel vor dem Abspann an, dass Last Days nicht als biografisch missverstanden werden sollte. Van Sants Werk sei zwar von bekannten Fakten der letzten Tage Cobains inspiriert, deutet das Ende des Protagonisten jedoch nach eigenem Gusto.

In nur wenigen, dafür aber überdurchschnittlich langen Einstellungen, die vornehmlich als Halbtotale oder Totale aufgenommen wurden, beobachtet der Film den scheinbar ziellos herumschlurfenden Musiker Blake. Da das Gesicht von Hauptdarsteller Michael Pitt aufgrund der entfernten Kamerapositionen und der blonden Haare so selten zu sehen ist, wirkt Last Days abschnittweise tatsächlich wie eine reale Dokumentation über Cobain, der sich dauerhaft in einem weggetretenem Stadium befindet und unverständlich vor sich hin murmelt.

Die bereits in Elephant und Gerry, den vorherigen Teilen der Trilogie des Todes, verwendete passive Perspektive findet in Last Days ihre finale Steigerung und wirkt noch unbeteiligter, weil van Sant nun vollends auf jede dramaturgische Anwandlung verzichtet und keinerlei Zuspitzung anstrebt. Da er auch den Drogenkonsum sowie eine finale Todesszene ausspart, erhält sein melancholisches Porträt eine deutlich größere Ambivalenz.

Nur ein Bestandteil des Films sorgt für eine Konnotierung abseits des Dokumentarischen: Die Tonebene arbeitet szenenweise mit einer seltsamen Geräuschkulisse, die Blakes Welt bedrohlich oder zumindest erdrückend wirken lässt und den einzigen offensichtlichen Hinweis darstellt, dass dessen Erleben seiner Umwelt problembehaftet ist.

Wer anhand von Last Days etwas über Kurt Cobain erfahren möchte oder gar ein Biopic nach klassischer Art Hollywoods sucht, dürfte von van Sants Werk nicht zufriedengestellt werden: Hier gibt es wenig, was uns erzählt wird; stattdessen teilen wir mit dem traurigen Musiker Blake neunzig Minuten lang einen entrückten Zustand zwischen Leben und Tod. Wer im Kino mehr nach Erfahrungen als Erzählungen sucht, wird bei Last Days eventuell fündig.

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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