Mit seinem Debütfilm Hass legte Mathieu Kassovitz den Finger in die Wunde der französischen Nation und schuf ein eindringliches Porträt einer verlorenen Generation von Immigranten, die in Ghettos zusammengepfercht und von der Gesellschaft ausgeschlossen werden, bis sie schließlich gegen ihre Missachtung aufbegehren.

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Filmkritik:

Basierend auf realen Krawallen aus dem Jahr 1993 und in seiner Authentizität bestätigt durch die schweren Ausschreitungen im Jahr 2005, entwirft Hass sein Schreckensszenario anhand einer 24-stündigen Tour de Force dreier jugendlicher Banlieue-Bewohner durch das latent feindliche Paris, das von heftigen Unruhen zwischen Staat und Jugendlichen heimgesucht wird.

Einfach macht es sich Kassovitz‘ Drehbuch indes nicht, denn er wirft den Zuschauer direkt ins aufgeheizte Geschehen und gibt keine Position vor – es gibt keine ausformulierte Handlung, die eine ungerechte Behandlung der Jugendlichen zeigt, keine Täter und Opfer, keine Bösewichter oder Antagonisten. Das Publikum muss aus dem, was auf den Straßen erzählt wird, für sich selbst herausfiltern, welche Behauptungen stimmen und was nur der Hysterie geschuldet ist.

Hier kommt jedoch noch ein weiterer Vorteil des episodenhaften Erzählens zur Geltung: Nicht nur wird so bewusst gemacht, dass wir nur einen kleinen Ausschnitt aus dem großen Ganzen sehen, sondern Hass bleibt damit auch stets unvorhersehbar und spannend.

Zu überraschen vermag auch die visuelle Kraft von Kassovitz‘ erstem Werk. Die ungemein dynamische Kameraarbeit und die langen Plansequenzen sorgen für Drive und die ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Bilder sorgen nicht nur für eine dichte Stimmung, sondern untermalen das Geschehen mit den starken Kontrasten auch inhaltlich.

Zwar setzt Hass auf eine ausgeprägte Symbolik und gibt sich bisweilen etwas polemischer als nötig, doch sollte dies Kassovitz nicht unbedingt negativ angerechnet werden, erreicht sein Film damit doch den Grad an Aufgeregtheit, der nötig ist, um die Umwelt der getriebenen Protagonisten mitreißend zu schildern.

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DIE ÄRA

In den Neunziger Jahren wurden Filme ein Objekt der Popkultur. Die amerikanische Vermarktung erhob Blockbuster zum Massenphänomen, das weit über den Filmkonsum hinaus ging. Zeitgleich bildeten eine lebendige Independentfilmszene und ein erstarktes Arthousekino den Gegenpol. Auch dank der VHS-Kassetten entwickelte das Medium Film eine ungeahnte Vielfalt.

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Der Dramabegriff dient als Auffangbecken für Filme, die sich keinem spezifischerem Genre zuordnen lassen. Dementsprechend viele Schattierungen ergeben sich: vom Sozial- über das Gesellschaftsdrama, das Melodram und die Tragikomödie. Die Gemeinsamkeiten dieser Subgenres liegen in realistischen, konfliktreichen Szenarien und einer Konzentration auf die Figuren.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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