Jigoku – Das Tor zur Hölle

Ein Film von Nobuo Nakagawa

 

 | Erscheinungsjahr: 1960

 | Jahrzehnt: 1960 - 1969

 | Produktionsland: Japan

 

Der japanische Klassiker Jigoku schmiedet einen Krimiplot mit Hitchcock-Anleihen, überrascht dann jedoch mit einem beherzten Richtungswechsel: Nach zwei Dritteln der Spielzeit schickt der seine Protagonisten geradewegs in die Hölle. Trotz einiger erzählerischer Unebenheiten erweist sich die seltsame Melange von Krimi und Fantasy als reizvoll, weil die Leidenschaft der Beteiligten stetig durchschimmert.

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Filmkritik:

Jigoku startet als klassischer Krimi: Der Theologiestudent Shiro überfährt versehentlich einen betrunkenen Yakuza, der ihm vor das Auto gerannt ist. Doch das ist erst der Anfang der düsteren Tage des Studenten, denn kurze Zeit später stirbt eine ihm nahestehende Person und unglücklicherweise schmiedet die Mutter des überfahrenen Gangsters einen Racheplan – sie hat Shiros Tat gesehen.

Während sich dieser Krimiplot in den ersten zwei Dritteln des Films immer mehr entfaltet, taucht ab und an der mysteriöse Student Tamura auf, der von einer allwissenden Aura umgeben ist und latent bedrohlich wirkt. Seine kleinen Auftritte halten das Suspense aufrecht, obwohl Jigoku das Tempo nach dem schwungvollen Auftakt deutlich drosselt.

Das nächste Highlight fährt der japanische Klassiker am Ende des zweiten Drittels auf und führt alle Protagonisten in einer Szene zusammen: Aus dem zunächst friedvollen Zusammentreffen entwickelt sich nach und nach ein Massaker, inszeniert wie ein groteskes Ballett des Todes, das konsequenterweise gleich sämtliche Akteure dahinrafft. Anschließend lässt Jigoku seine Figuren für ihre Missetaten büßen – und schickt die Sünder direkt in die Hölle, in der das letzte Drittel des Films dann spielt.

Diese Szenen stellen die Highlights von Nobuo Nakagawas Klassiker dar: Anstelle von Andeutungen und Metaphorik setzt der Regisseur auf konkrete Bilder und schuf in bester Tradition von Dantes Göttlicher Komödie eine expressive, komplett im Studio entstandene Höllenvision und tritt den Beweis an, dass sich auch ohne Computereffekte originelle Bilder finden lassen.

Während Shiro durch die Höllenkreise irrt, wird er Zeuge von brutalen Folterungen, sieht Dämonen und Teufel, Seen aus Blut und ruhelose Seelen, die von unzähligen Statisten aufwendig dargestellt werden. Das farbenprächtige Setdesign, die kunstvolle Beleuchtung und die tollen Kostüme und Masken sorgen für ein stimmiges Höllenszenario.

Bei aller Liebe zur visuellen Gestaltung bleibt die Geschichte jedoch auf der Strecke und stagniert regelrecht, was Jigoku einen etwas unbefriedigenden Abschluss beschert und auch der Spannung nicht zuträglich ist. Fans japanischer Werke sollten dennoch einen Blick riskieren, denn die überbordende Kreativität sorgt für eine interessante Filmerfahrung.

★★★☆☆☆

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