1986 legte Spike Lee mit Nola Darling sein Regiedebüt vor. Der auch unter dem Originaltitel She’s Gotta Have It bekannter Independentfilm zählt zu den ersten Vertretern des New Black Cinema, das die unverfälschte Lebenswirklichkeit der Afroamerikaner aus deren Sicht darstellte.

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Filmkritik:

Es schwebt ein Hauch Woody Allen über diesem Film. Nicht nur, weil unzählige Werke der beiden New Yorker zwischen Manhattan und Queens angesiedelt sind und liebevoll ihre Stadt porträtieren, sondern auch, weil es beiden Filmemachern gelingt, erzählerische Leichtigkeit mit ernsthafter thematischer Auseinandersetzung zu verbinden.

Im spielerischen Einsatz unterschiedlicher Stilmittel findet sich eine weitere Gemeinsamkeit zu den früheren Werken Allens. Auch Spike Lee erzählt das Geschehen nicht konventionell, sondern unterbricht die Handlung immer wieder durch Interviewsequenzen, in denen die Figuren direkt zu uns Zuschauern sprechen, oder fügt seinem Schwarz-Weiß-Film eine plötzlich farbige Tanzszene hinzu.

In Erinnerung bleibt auch eine Sequenz, in der ein halbes Dutzend Männer sich an den Zuschauer richten, um ihn mit platten Sprüchen ins Bett zu bekommen – ein cleverer, weil identifikationsstiftender Schachzug, der uns geschickt in die weibliche Perspektive der Protagonistin versetzt und die Männerwelt entlarvt.

Zudem formuliert Nola Darling – und das finde ich angesichts des Entstehungsjahres beeindruckend – ein feministisches Statement, das heute gültiger denn je erscheint. Nola und ihre drei Männer in einer ménage à quatre – das kann nicht gut gehen, muss es aber auch nicht. Das Leben in einer modernen Gesellschaft muss zwingend auch die Möglichkeit inkludieren, Fehler zu machen und scheitern zu dürfen.

Trotz einiger Kollateralschäden, die die weibliche Emanzipation mit sich bringt (und die Männern ohnehin zugestanden werden), unterlässt Lee das Schwingen der Moralkeule. Die Entwicklung, die er Nola durchmachen lässt, erweist sich ohnehin als interessanter: Kaum findet sich die Andeutung eines monogamen Happy Ends, folgt eine Interviewsequenz, in der Nola die finale Entwicklung fröhlich wieder einreißt – ein Musterbeispiel für den Gegensatz aus vordergründiger Lockerheit und dem Verweis auf hintergründige Konflikte.

Nicht nur inhaltlich, auch handwerklich überzeugt Nola Darling. Die Schwarz-Weiß-Bilder gefallen durch eine stimmige Lichtsetzung und ungewöhnliche Perspektiven, Lees Schauspielführung sorgt ebenfalls für gute Resultate. Die Darsteller agieren mit natürlicher Frische, das Geschehen wirkt lebendig und realistisch. Einen Malus gibt es lediglich für die Jazzmusik, die stellenweise zu aufdringlich wirkt und den lebensnahen Dialogen zu viel Raum streitig macht.

Im Gegensatz zu einigen späteren Werken von Spike Lee, in denen der Autorenfilmer seine Botschaften gerne auch mal recht vordergründig platzierte, kommt Nola Darling gänzlich unprätentiös daher. Sein Handwerk beherrschte der Regisseur bereits zu Beginn seiner Karriere und traf mit seinem Regiedebüt den Nerv der Zeit.

Nola Darling belegt Lees Talent für lockere Milieuschilderungen, innerhalb derer er gesellschaftliche Themenkomplexe verhandelt. Dabei erreicht er noch nicht ganz die allegorische Klasse seines besten Films Do The Right Thing, setzte jedoch ein erstes Ausrufezeichen.

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DIE ÄRA

Nach zwei Jahrzehnten, die sich zunehmend auf anspruchsvolle Werke fokussierten, fand in den Achtziger Jahren ein Umschwung statt. Genrefilme erlebten ein Comeback und Hollywood setzte zunehmend auf aufwendige Blockbuster. Das Unterhaltungskino begann, die Kinolandschaft zu dominieren.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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