Panzerkreuzer Potemkin ist wohl der bekannteste Propagandafilm der Welt. Mit seiner neuartigen Bildmontage revolutionierte Regisseur Sergei M. Eisenstein die Filmsprache des Kinos und huldigte dem antizaristischen Aufstand des Jahres 1905.

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Filmkritik:

Panzerkreuzer Potemkin schildert in 5 Akten, wie die Matrosen des titelgebenden Kriegsschiffes eine Revolution lostreten. Aus einem Protest gegen madiges Fleisch entwickelt sich ein Aufstand gegen die unbarmherzigen Offiziere. Der Panzerkreuzer liegt im Hafen von Odessa, wo sich der revolutionäre Akt herumspricht. Als sich die Bewohner der Stadt mit den Aufständischen solidarisieren, antwortet das zaristische Militär mit Gewalt.

Auf der inhaltlichen Ebene ist die propagandistische Färbung des Films offensichtlich. Auch aufgrund der nur 70-minütigen Spielzeit hält er die Handlung simpel und verzichtet auf Zwischentöne: Die Vertreter der Autorität agieren durchweg menschenfeindlich, der Kampf der Aufständischen erscheint gerecht und notwendig. Trotz dieser offensichtlichen Parteilichkeit gelingt es Panzerkreuzer Potemkin auch heute noch, unsere Gedanken zu vereinnahmen, weil Eisenstein ein Meister seines Fachs war.

Eisenstein war ein Naturtalent und drehte Panzerkreuzer Potemkin – seinen zweiten Film – schon im Alter von 27 Jahren. Eisensteins Talent beschränkte sich nicht nur auf die Regie, der Russe tat sich auch als kluger Theoretiker hervor. Eisenstein setzte seine Herleitungen in der Praxis um – und bestätigte sie so. Mit den Propagandafilmen Streik, Panzerkreuzer Potemkin und Oktober schrieb Eisenstein Kinogeschichte, seine Erkenntnisse kommen immer noch zur Anwendung.

Die durchschlagende Wirkung von Eisensteins Werken beruht auf der Ambition, die Filmsprache weiterzuentwickeln. Im Zentrum seines theoretischen und praktischen Schaffens steht der Filmschnitt. Dieser diente im frühen Kino als reines Ordnungswerkzeug – verschiedene Szenen mussten nun mal miteinander verbunden werden.

Doch Eisenstein erkannte die Macht dieses Instrumentes und schuf den Begriff der Attraktionsmontage. Der Filmemacher sah darin die Möglichkeit, die Gedanken der Zuschauer zu lenken: Er nutzt den Schnitt als Mittel der Suggestion, setzt die Bilder in sublime Kontexte zueinander oder überrascht durch plötzliche Kontraste.

Ein Musterbeispiel für Eisensteins Können liefert die berühmte Sequenz auf der Freitreppe im Hafen von Odessa, die seit der Veröffentlichung des Films auch als Potemkinsche Treppe bekannt ist. Sie ist der Schauplatz eines Blutbades: Der Film zeigt, wie anrückende Soldaten des Zaren die friedlich protestierenden Bürger Odessas mit Gewehrfeuer belegen.

Eisenstein inszeniert die Massenpanik dual – er zeigt das Chaos im Ganzen und bricht das Geschehen parallel dazu in exemplarische Ausschnitte herunter: Ein Junge wird erschossen, einige Frauen flehen die Soldaten um Gnade an, ein Kinderwagen rollt die Treppe hinab. Diese individuellen Mikro-Geschichten inmitten des kollektiven Taumels geben dem Schrecken ein Gesicht und potenzieren den dramatischen Effekt der Szene, die zudem in der gezeigten Brutalität Grenzen sprengte.

Damit etablierte Panzerkreuzer Potemkin den Standard für Werke wie Der Soldat James Ryan, Herr der Ringe und Avengers, die ihre Massenszenen nach demselben Muster erzählen. Doch nicht nur narrativ, auch in puncto Tempo und Komplexität setzt die Szene Maßstäbe. Die russische Montage fand weltweite Anerkennung und wurde auch in anderen Ländern angewandt – beispielsweise im britischen Stummfilmmeisterwerk A Cottage On Dartmoor.

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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