Regisseur Denis Villeneuve zählt derzeit zu den interessantesten der aufstrebenden Regisseure Hollywoods und lässt sich erfreulicherweise nicht verbiegen, was sein gelungenes US-Debüt Prisoners beweist: Villeneuve traut sich, ein klassisches Thrillersujet in eine höchst unbequeme Schuld-und-Sühne-Charakterstudie zu transformieren.

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Filmkritik:

Wo konventionelle Thriller von konkreten Geschehnissen leben, die Bedrohung und Spannung evozieren, bleibt in Prisoners zunächst erst mal alles im Argen, vollzieht sich vieles abseits der Augen des Publikums. Dennoch fesselt der Film von der ersten Minute an mit viel Suspense und einem hohen Grad an Fatalismus.

Durch die pointierte Inszenierung und die meisterhafte Bildgestaltung von Kameramann Roger Deakins etabliert Prisoners nachhaltig eine pessimistische Stimmung, die eine konventionelle Thriller-Dramaturgie mit zig Höhepunkten ersetzt und es Villeneuve ermöglicht, sich auf den Kern seines Films zu konzentrieren.

Prisoners stellt seine Figuren ins Zentrum und gibt ihnen ganze 153 Minuten Spielzeit, um sich zu entwickeln. Da gibt es einiges zu beobachten: Das ständige Augenzucken von Detective Loki (und dessen anachronistischer Name), den Jake Gyllenhal mit großartiger Subtilität spielt und dessen scheinbar düstere Vergangenheit regelrecht vor dem Publikum verborgen wird; den moralischen-religiösen Zwiespalt von Hugh Jackmans Protagonisten, der den vermeintlichen Entführer foltert, um seine Tochter zu retten und damit eine kongruente Analogie zum Amerika der Terrorismusära darstellt und unbequeme Fragen aufwirft.

Passende schöne Antworten bleiben hingegen Mangelware. Prisoners schlachtet weder seine Selbstjustiz Thematik aus, noch stellt er die (vielen) Opfer des Films aus, sondern vertraut auf die Mündigkeit seines Publikums, traut unserer Urteilskraft, statt eigene Wertungen vorzukauen.

Somit funktioniert Prisoners auf allen Ebenen – als atmosphärisches Drama, als ausgeklügelter Kriminalfilm und als Kommentar auf amerikanische Befindlichkeiten.

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DAS GENRE

Ähnlich wie der Actionfilm basiert auch das Thriller-Genre nicht auf inhaltlichen, sondern auf formalen Gesichtspunkten. Eine größtmögliche, im Optimalfall konstant gehaltene Spannung ist das Ziel. Dafür bedienen sich Thriller in der Regel einer konkreten Bedrohungslage. Wird die Gefahr überwiegend über Andeutungen und Suspense transportiert, findet gerne der Terminus Psychothriller Anwendung.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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