Rocco und seine Brüder zählt zu den essenziellen Werken von Luchino Visconti und offenbart einerseits die neorealistischen Wurzeln des italienischen Regisseurs, nimmt mit seiner Spielzeit von 170 Minuten jedoch auch schon Umfang und Epik von dessen späteren Filmen vorweg.

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Filmkritik:

Visconti versteht es hervorragend, einen Eindruck des Mailänder Großstadtmilieus der Fünfziger Jahre zu erzeugen. Die nüchterne Bildgestaltung und die Musik von Nino Rota sorgen für eine dichte Atmosphäre und vermitteln von Anfang an die Sicht der süditalienischen Familie, die in diese fremde Umgebung zieht und sich nie wirklich zuhause fühlt.

Wie später auch in Der Leopard, schildert Visconti in Rocco und seine Brüder den inneren Konflikt einer Familie, der durch die äußeren Umstände forciert wird: Die Brüder reagieren ganz unterschiedlich auf die Strapazen und Verlockungen des Großstadtlebens und drohen, ihre traditionellen Wurzeln und ihren gegenseitigen Zusammenhalt zu verlieren. Dabei gefällt vor allem, wie das Drehbuch das Tun der unterschiedlichen Brüder nicht wertet – im Leben gibt es nicht nur Schwarz und Weiß.

Dank der langen Spielzeit legt Rocco und seine Brüder den Kern seiner Figuren immer weiter frei. Insbesondere Alain Delons titelgebender Rocco entwickelt sich enorm weiter und erreicht dabei schon fast ein allegorisches Niveau, das für die Botschaft des Films wichtig ist, bisweilen jedoch deutlich weniger authentisch wirkt als bei den anderen Charakteren, deren Handeln realistischer und nachvollziehbar ausfällt. Delons großartiges Spiel, das ihm endgültig zum Durchbruch verhalf, gleicht die Unebenheiten der Figurenzeichnung jedoch wieder aus und ergänzt die guten Leistungen der anderen Darsteller.

Im letzten Drittel mag Visconti die Dramatik seiner Familiengeschichte etwas zu offensichtlich forcieren und steigern, das gleichzeitig melancholische wie lebensbejahende Finale hinterlässt jedoch einen positiven Eindruck und deutet an, dass es für die durch die moderne Gesellschaft gespaltene Familie durchaus Hoffnung gibt, ihren traditionellen Zusammenhalt wiederherzustellen, wodurch Rocco und seine Brüder gewissermaßen die Antithese zum Kino von Michelangelo Antonioni formuliert.

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DAS GENRE

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Die Sechziger Jahre zählen zu den revolutionärsten Jahrzehnten der Kinogeschichte. Das Aufkommen der Nouvelle Vague in Frankreich fand einen Widerhall im Rest der Welt. Die neuen Wellen verschoben künstlerische Grenzen und modernisierten die Filmsprache. Zahlreiche Regisseure ließen die Themen der vorherigen Generationen hinter sich und drehten freiere, gesellschaftskritischere Werke.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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