Sleeping Beauty verfügt über eine spannende Idee und zeigt eine Frau, die sich gegen Geld betäuben lässt, um nackt in einem Bett liegend, Männern passiv Gesellschaft zu leisten. Doch worum geht es der Drehbuchautorin und Regisseurin Julia Leigh in ihrem Debütfilm? Es gestaltet sich schwierig, die Thematik des durchaus vielseitig interpretierbaren Stoffes einzugrenzen – Sleeping Beauty könnte von ausbeuterischem Kapitalismus erzählen, vom Verfall sozialer Werte oder emotionaler wie existenzieller Einsamkeit, doch Leigh belässt es komplett bei Andeutungen.

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Filmkritik:

So sehen wir zwar, wie die junge Lucy durch ihren ungewöhnlichen Nebenjob viel Geld verdient, aber auch, wie sie es ohne große Gesten wieder verbrennt. Die Motivation und die Gefühle der jungen Frau bleiben völlig im Argen, ein unergründliches Rätsel und gleichzeitig Stärke wie Manko des Films, dessen Inszenierung mit „unaufgeregt“ noch milde beschrieben wäre – „distanziert“ und „klinisch“ sind die passenden Adjektive. Lucys Welt wirkt leblos und leer, als wäre nichts von Belang, als gäbe es keinerlei Werte, für die es sich zu leben lohnt.

Der undurchdringlichen Oberflächlichkeit zum Trotz gelingt es Leigh, szenenweise Spannung aufzubauen. Ähnlich wie im ungleich abgründigeren Kino von David Lynch scheint sich etwas hinter dem Offensichtlichen zu verbergen, das entdeckt werden will; allerdings bekommt das Publikum dies niemals zu Gesicht.

Mehr noch als mit Lynch besitzt Sleeping Beauty Gemeinsamkeiten mit den Werken von Stanley Kubrick und fährt mit seinen prächtigen Dekors und makellosen Körpern eine üppige Bildgestaltung auf, die klar strukturiert und elegisch gefilmt ist. Julia Leigh gelingt es zudem meistens, die über größere Teile des Films (halb)nackte Emily Browning nicht plakativ auszustellen.

Für einen Debütfilm erweist sich Sleeping Beauty also handwerklich als überaus gelungen und gibt sich selbstbewusst eigenwillig. Dabei entsteht jedoch ein emotionales Vakuum, dass die Regisseurin nicht füllen kann. Ihre Lucy bleibt bis zum Abspann eine künstliche, oberflächliche Drehbuchfigur, die keine Gefühle zu haben scheint und somit auch das Publikum kaum binden kann. Die schlafende Schönheit ist prächtig anzusehen, aber aus eiskaltem, leblosem Marmor.

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Der Dramabegriff dient als Auffangbecken für Filme, die sich keinem spezifischerem Genre zuordnen lassen. Dementsprechend viele Schattierungen ergeben sich: vom Sozial- über das Gesellschaftsdrama, das Melodram und die Tragikomödie. Die Gemeinsamkeiten dieser Subgenres liegen in realistischen, konfliktreichen Szenarien und einer Konzentration auf die Figuren.

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Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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