The Sniper

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Filmkritik:

The Sniper zählt zu den besten Vertretern aus einer losen Reihe von realistischen Kriminalfilmen, die Mitte der Vierziger Jahre in Mode kamen. Der günstig produzierte Film Noir ermöglichte Regisseur Edward Dmytryk ein Comeback und ist vor allem wegen seines ungewöhnlichen Protagonisten eine Sichtung wert.

Der 1945 erschienene Spionagekrimi Das Haus in der 92. Straße setzte einen neuen Akzent im Film Noir: Statt seinen Plot so effektvoll wie möglich zu präsentieren, schildert er das Geschehen im semidokumentarischen Stil einer Wochenschau. Der Idee, statt auf Sensationen auf Authentizität zu setzen, auf „echtes Leben“ statt plumpe Genreanleihen, folgten weitere Filmemacher: Anthony Mann mit Geheimagent T oder Jules Dassin mit Stadt ohne Maske.

Weil die nüchterne Präsentation nicht selten auf Kosten der Spannung ging, hielt der Trend nicht besonders lange an, The Sniper zählte 1952 zu den letzten semidokumentarischen Film Noirs und bildet dank eines Perspektivwechsels einen würdigen Abschluss: Statt ausschließlich der drögen Ermittlungsarbeit der Polizei folgen zu müssen, präsentiert uns der Film von Edward Dmytryk das Geschehen auch aus Sicht des Täters. Lange bevor der Zodiac-Killer die Vereinigten Staaten in Angst versetzte oder der ihm nachempfundene Antagonist Scorpio seinen Auftritt in Dirty Harry absolvierte, porträtierte The Sniper einen psychisch kranken Mann, der aus der Distanz ahnungslose Frauen erschießt.

Der kanadische Regisseur Edward Dmytryk qualifizierte sich für seinen Posten durch eine Reihe von Film Noirs und drehte mit Mord, mein Liebling einen der besten Vertreter der Schwarzen Serie, bevor die Anti-Kommunismus-Hysterie der McCarthy-Ära Dmytryk  aus dem Verkehr zog. Als einer der Hollywood Ten musste er vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe aussagen und wurde zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Es folgten Denunziationen von Kollegen, einige Monate in England und schließlich das Comeback.

Trotz des niedrigen Budgets und der simplen Anlage des Plots verfügt The Sniper über einiges Flair. Dmytryk drehte viele Szenen des Films on location in den Straßen von Los Angeles und kann insbesondere in den Nachtszenen seine visuellen Stärken ausspielen. Die zurückhaltende Inszenierung gereicht Dmytryks Werk sogar zum Vorteil, wenn er die Gewalt der hinterhältigen Mordanschläge ohne besondere Betonung inszeniert – die nüchterne Präsentation der Tatsache, dass eine willkürliche Bewegung mit dem Abzugsfinger ein Menschenleben auslöscht, macht mehr Eindruck als jede dramatische Überspitzung.

Im Gegensatz zu anderen semidokumentarischen Film Noirs gelingt es The Sniper aufgrund des Kontrastes zwischen dem psychotischen Killer und der hilflosen Polizei, durchgängig Suspense zu erzeugen. Die zunehmende Verzweiflung des Killers über sich selbst gibt dem Geschehen zudem eine melodramatische Note, die der distanzierten Perspektive Leben einhaucht. Das glaubwürdige Spiel von Hauptdarsteller Arthur Franz überzeugt ebenso wie der Ansatz des Films, seinen Protagonisten nicht zu dämonisieren. Im Wesen des Mörders steckt eine tiefsitzende Hilflosigkeit, die bis in dessen Kindheit zurückreicht und ihn zu einer tragischen Figur macht. So leiden wir gleichzeitig mit dem Täter, seinen Opfern und der fieberhaft arbeitenden Polizei.

Aufgrund seiner Schlichtheit zählt The Sniper sicherlich nicht zu den besten Vertretern der Schwarzen Serie, der in Deutschland noch unveröffentlichte Film Noir überzeugt allerdings mit seiner effektiven Geradlinigkeit und dem durchgängigen Suspense.

Handlung:

Weil er sein ganzes Leben lang von Frauen gedemütigt und verschmäht wurde, startet ein Mann mit einem Gewehr einen Amoklauf. Der Polizei ist er stets einen Schritt voraus, aber einer der Polizeipsychologen hat möglicherweise die entscheidende Idee …

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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