The War Game

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Filmkritik:

The War Game entstand 1966 als Auftragsarbeit der BBC, das anlässlich des 21. Jahrestags des Atombombenabwurfs auf Hiroshima eine Dokumentation über die Folgen eines atomaren Angriffs auf Großbritannien ausstrahlen wollte. Der erst 29 Jahre alte progressive Regisseur Peter Watkins erschuf mit seiner fiktionalisierten Dokumentation ein derart schockierendes wie kritisches Werk, dass sich die britische Fernsehanstalt – mutmaßlich auch auf Druck der Regierung – gegen eine Ausstrahlung entschied und Watkins‘ Werk jahrelang wegsperrte. Obwohl The War Game einen Preis bei den Filmfestspielen in Venedig und einen Oscar für den besten Dokumentarfilm gewann, sollte es bis 1985 dauern, bis die BBC den Film zeigte.

Obwohl The War Game durchaus eine gewisse Schockwirkung innewohnt und letztlich ein mit dokumentarischen Mitteln gedrehter Spielfilm ist, verkommt diese Herangehensweise nie zur bloßen Panikmache, sondern verfügt durchaus über einen gewissen Anspruch. Nicht nur basiert der Film auf realen Studien und arbeitet mit echten Zitaten, sondern nähert sich seinem Thema auch mit intellektueller Schärfe und sachlichem Tonfall. Der Schrecken des Werkes entsteht zunächst auf einer faktischen Ebene und erst danach emotional.

Watkins startet mit einer Begutachtung der Notfallpläne der britischen Regierung, die sich während des Kalten Krieges auf den Ernstfall vorbereitete. Während der ruhige, faktenorientierte Off-Erzähler konkrete Vorbereitungsmaßnahmen und Statistiken aufführt, spiegelt der Film ein Gefühl der Sicherheit: Die Regierung ist vorbereitet. Doch schnell entlarvt Watkins die Vorbereitungen als vollkommen unzureichend und bricht abstrakte politische Entscheidungen auf den tatsächlichen Alltag herunter. So druckt die Regierung zwar Tausende Broschüren, die über Wirkung und Schutz vor atomarer Strahlung aufklärt, verteilt diese aber nicht kostenlos an die Bürger, sondern besitzt die Chuzpe, die Informationen nur gegen Geld anzubieten. Ein anderes Beispiel: Im Falle einer atomaren Gefahr subventioniert die Regierung Material für die Befestigung des eigenen Heims. Was zunächst gut klingt, entpuppt sich als lachhaft: Dank der staatlichen Unterstützung kann sich der Durchschnittsbürger nun ganze acht Sandsäcke und sechs Holzlatten leisten.

Nach einem Drittel der Spielzeit kommt der Tag X: Atomraketen schlagen in Großbritannien ein. The War Game verzichtet auf Explosionsbilder und Massensterben, sondern schildert den Moment aus der Sicht einer in ihrer Wohnung auf dem Land befindlichen Familie. Erneut schildert der Erzähler die Auswirkungen: Der Lichtblitz lässt Menschen erblinden, die sich anschließende Hitzewelle sorgt noch in sechs Kilometer Entfernung für Verbrennungen dritten Grades und brennendes Mobiliar, die einige Sekunden später folgende Schockwelle zerstört Fenster und bläst radioaktive Winde über das Land. Der Tag endet mit den bedrückenden Bildern von Feuerwehrleuten, die gegen unlöschbare Flammen ankämpfen und verbrennen.

Der wahre Horror folgt jedoch erst noch, wenn Watkins die nächsten Wochen und Monate schildert: Weil die Versorgungslage immer prekärer gerät, bricht die öffentliche Ordnung zusammen, in den anarchischen Zuständen kämpfen die Menschen um Lebensmittel und Medizin. Unfälle, Morde und die Strahlenkrankheit fordern unzählige Todesopfer. Nach wie vor kontrastiert Watkins das Geschehen durch interviewartige Einspieler mit realen Zitaten. Wenn ein anglikanischer Pastor kundtut, er glaube an einen gerechten Krieg und wir dazu sehen, wie Menschen in einem Auto verbrennen, wirken solche dogmatische Glaubenssätze wie blanker Hohn.

Die Beweisführung von The War Game ist so klug wie eindringlich. Das erste Drittel zerstört jegliche Abstraktionsmöglichkeit und verdeutlich, dass im Angesicht einer atomaren Explosion keine Logik mehr anwendbar ist. Der Rest des Films veranschaulicht den Horror nachdrücklich und formuliert eine klare Botschaft: Es gibt keinen Schutz vor Atomwaffen und keine Entschuldigung, sie zu besitzen.

Watkins‘ Werk funktioniert ohne bloße Panikmache und erweist sich als meisterhaft inszeniertes Mahnmal, das auch mehr als 50 Jahre nach seiner Entstehung für ein eindringliches Filmerlebnis sorgt und die ultimative Anklage von Atomwaffen darstellt.

Handlung:

Nachdem chinesische Verbände in Südvietnam einfallen und es auf deutschem Boden zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen der NATO und den Truppen des Warschauer Pakts kommt, eskaliert der kalte Krieg: Atomraketen werden abgefeuert und gehen auch auf Großbritannien nieder. Verzweifelt versuchen die Briten zu retten, was zu retten ist…

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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