Die Karabinieri

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Filmkritik:

Die Karabinieri zählt zu den eher unbekannten Werken im Oeuvre von Jean-Luc Godard, hat es jedoch in vielerlei Hinsicht in sich: Es ist der einzige Antikriegsfilm der Nouvelle Vague und verdeutlicht die Abkehr des Franzosen von seinem beschwingten Frühwerk. Mit diesem hat sein fünftes Werk nicht mehr viel gemein – ohne Selbstreferenzialität und Verspieltheit wagt sich Godard an eine totale Abstraktion seines Sujets.

Wir erfahren weder, welche Länder sich bekriegen, noch die politischen oder gesellschaftlichen Hintergründe. Grob umrissen wird, dass es sich um einen dritten Weltkrieg handelt und es Millionen Tote gibt. Der Krieg selbst ist kaum zu sehen, Godards Low-Budget-Film nutzt einfachste Mittel: Statt Kriegsgerät und Explosionen, Menschenmassen und zerbombten Städte zu zeigen, besinnt sich Die Karabinieri auf schlichte Kulissen, rohe Schwarz-Weiß-Bilder und einige wenige Darsteller. Gestützt wird der martialische Eindruck durch die Tonspur, die ohne großes Budget manipuliert werden kann und allgegenwärtiges Geschützdonnern und reihenweise Explosionen auffährt. Da im visuellen Bereich auch ständig Menschen erschossen, gejagt oder bedroht werden, erweckt die Welt in Godards Werk trotz der begrenzten Mittel einen gefährlichen, menschenfeindlichen Eindruck.

Doch Godard wäre nicht Godard, würde er einen konventionellen Antikriegsfilm drehen. Stattdessen entwickelt er Die Karabinieri wie eine Fabel, erzählt von zwei Tunichtguten, die in die Welt ausziehen, um sich persönlich zu bereichern und dabei keinerlei Moral oder Reflexion kennen. Hier kommt Godards cleverer Ansatz zum Tragen, wenn der abstrahierte Krieg komplett auf das episodenhafte Treiben (die Reihenfolge der Szenen ließe sich wahllos tauschen) der beiden Antihelden heruntergebrochen wird. Die Karabinieri zeigt kleine, vereinfachte Inseln des Konkreten in einem Meer aus Abstraktion.

Doch diese Vereinfachung stellt das Problem des Films dar – Godards Fabel ist eine für Kinder. Mit dem geistigen Niveau von 11-jährigen Jungs lässt er die beiden jungen Männer Krieg spielen und dabei unbekümmert an Erschießungen und Missbrauch teilnehmen. Sicherlich mit der Intention, den Kardinalsfehler des Genres, Krieg spannend und unterhaltsam zu zeigen, zu vermeiden, aber eben auch mit dem Nachteil, im weiteren Verlauf lächerlich zu wirken. Die beiden Protagonisten verkommen leider zunehmend zu Kunstfiguren – Max und Moritz im Krieg, die am Ende ihre moralische Lektion erhalten. Letztlich erscheint Godards Konzept durchaus clever, die Umsetzung funktioniert jedoch nur mit der Würdigung der Theorie und dem Übersehen der praktischen Umsetzung. Wo Stanley Kubricks Dr. Seltsam den richtigen Punkt zwischen absurdem Humor und böser Satire trifft, verhebt sich Godard bei Die Karabinieri an der Überspitzung des Themas.

Handlung:

Das triste Leben in einem brachliegenden Industriegebiet hat für die beiden Brüder Ulysses und Michelangelo ein plötzliches Ende, als eines morgen einige Karabinieri auftauchen und die beiden dazu überreden, in den Krieg zu ziehen. Aufgrund des Versprechens, beliebig brandschatzen und sich bereichern zu können, stimmen die beiden zu. Ihre Frauen geben ihnen noch eine Wunschliste mit allerhand zu erbeutendem Plunder mit, dann begeben sich die beiden auf eine Odyssee quer durch die Welt. Doch der Krieg verläuft anders, als von den beiden Männern vermutet…

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Foto von Tom Schünemann

Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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