Mit dem Kriminalfilm Tödliche Versprechen setzte David Cronenberg seinen Ausflug in das Mainstreamkino fort, nachdem er sich bereits zwei Jahre zuvor mit A History Of Violence einem geradlinigen Thriller nach Art Hollywoods zuwandte.

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Filmkritik:

Obwohl Cronenberg sich in Tödliche Versprechen dem Milieu der russischen Mafia in London widmet, bleiben Klischees erfreulicherweise außen vor. Cronenbergs Krimi probiert in keinem Moment die Entwicklung zum klassischen Gangsterfilm, sondern stellt einander zwei gegensätzliche Figuren – eine Krankenschwester und einen russischen Gangster – gegenüber und beobachtet, welche Wechselwirkungen sich aus ihrer Begegnung ergeben. Der kanadische Regisseur treibt seinen Film nicht durch eine vordergründige Handlung an, sondern die Entwicklung der Charaktere und ihre daraus abgeleiteten Entscheidungen bestimmen den Fortgang des Plots.

Während Naomi Watts als aus dem Tritt geratene Krankenschwester wie gewohnt mit großer Natürlichkeit überzeugt und Vincent Cassel einmal mehr bravourös einen exaltierten, im Innern jedoch zerrissen Charakter spielt, steht Viggo Mortensen als verschlossener russischer Gangster im Zentrum des Films. Mortensen besitzt eine ungeheure Präsenz und strahlt gerade dann eine souveräne Stärke aus, wenn er wenig spricht.

So ganz scheint Cronenberg der Figurenkonstellation dennoch nicht über den Weg zu trauen, denn trotz diverser Schnittpunkte bleibt er durchgängig an der Oberfläche der Charaktere. Das bedeutet nicht, dass wir im Verlauf des Films nichts Überraschendes über sie erfahren können; viel mehr mutet das Geschehen in Tödliche Versprechen wie eine Einleitung für noch Größeres an. Spätestens im Finale wird klar, dass der kanadische Regisseur nur eine Geschichte unter vielen anreißt und durchaus mehr zu erzählen hätte.

Nichtsdestotrotz weiß der Krimi zu befriedigen, weil die guten Schauspieler und Cronenbergs routinierte Regie das Geschehen stets im Griff haben. In den besten Momenten des Films kommt der kanadische Regisseur einmal mehr auf sein Faible für Körperlichkeit zurück: Die Verbrechen der Gangster an den Körpern ihrer Gegner, das Hadern mit den eigenen körperlichen Schwächen, das Schmücken mit tätowierten Rangabzeichen stehen im Mittelpunkt des Films.

Den Höhepunkt der Körperlichkeit bildet der Mordanschlag auf Mortensens Protagonisten in einer Sauna. Cronenberg filmt den Überlebenskampf des nackten Gangsters in einer langen ungeschnittenen Sequenz und erzielt damit eine unnachahmliche Intensität. Die Szene bleibt als einer der herausragendsten Faustkämpfe der jüngeren Kinogeschichte in Erinnerung.

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DER REGISSEUR

Der kanadische Regisseur David Cronenberg zählt zu den Größen des Genrefilms, fing aber klein an. Schon seine frühen, mit wenig Budget produzierten Horrorfilme beeindrucken durch ihre Hintersinnigkeit. Cronenbergs Faible für psychologische Abgründe und körperliche Transformationen prägte den Begriff Body Horror. Seine Filme sind selten perfekt, aber immer herausfordernd.

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DAS GENRE

Ähnlich wie der Actionfilm basiert auch das Thriller-Genre nicht auf inhaltlichen, sondern auf formalen Gesichtspunkten. Eine größtmögliche, im Optimalfall konstant gehaltene Spannung ist das Ziel. Dafür bedienen sich Thriller in der Regel einer konkreten Bedrohungslage. Wird die Gefahr überwiegend über Andeutungen und Suspense transportiert, findet gerne der Terminus Psychothriller Anwendung.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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