TOMS TOP 0

Alkoholiker im Film

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Alkoholiker im Film

Was wäre das Kino ohne Alkohol? Kaum eine Requisite lässt sich so ambivalent einsetzen, denn Alkohol bedient die unterschiedlichsten Situationen und Emotionen: Getrunken wird im Krieg und im Frieden, bei Sieg oder Niederlage, bei romantischen Gelegenheiten und nach einer Scheidung – und einfach nur zwischendurch. Diese Ausgabe von Toms Top 7 beschäftigt sich mit den größten Trinkern der Filmgeschichte.

Unter Toms Top 7 erscheinen regelmäßig kurze, absichtlich subjektiv gehaltene Listen zu spezifischen Themen. Achtung: Spoiler.

Erwähnenswerte Filme

James Bond zählt zu den ikonischen Trinkern der Filmgeschichte und könnte die Welt wohl kaum ohne seinen Wodka Martini („geschüttelt, nicht gerührt“) retten.

Im Komödienklassiker Der dünne Mann wollen sich Nick und Nora Charles gepflegt betrinken und nicht einmal ein Mordfall kann sie davon abhalten. Besonders schwer hat es James Stewarts Protagonist in Mein Freund Harvey. Wer schon einmal versucht hat, mit einem zwei Meter großen unsichtbaren Hasen mitzuhalten, weiß, wovon ich rede.

Apropos Tiere: Für komödiantische Einlagen sorgen auch Jean Gabin und Jean Paul Belmondo in Ein Affe im Winter. Den Bogen vom Humor zu handfesteren Werken schlagen wir mit einem Klassiker aus Fernost: In Drunken Master begeistert Jackie Chan als betrunkener Kampfkünstler mit eigenwilligem Stil.

Nun von Ost nach West: Harte Männer brauchen harten Schnaps – deshalb wird im Western wohl unablässig gebechert. Stellvertretend für die unzähligen Trinker des Genres sei der von Dean Martin gespielte Alkoholiker in Rio Bravo erwähnt.

Auch die Figuren von Humphrey Bogart haben gerne einen zur Brust genommen. Besonders trinkfreudig waren sein Flussdampferkapitän in African Queen und sein Drehbuchautor in Ein einsamer Ort.

Der ständige Alkoholgenuss besitzt natürlich auch seine Schattenseiten. Die Protagonisten in Das Irrlicht, Unter dem Vulkan und Engel der Verlorenen spüren das nur zu deutlich.

Das bringt uns zu einem Mann, dessen gesamtes Lebenswerk auf der Darstellung von Trinkern beruht: In seinen ruppigen Komödien aus den Dreißiger Jahren spielte W.C. Fields nie etwas Anderes. Von Fields stammt auch eine berühmte Weisheit:

„Man sollte immer eine kleine Flasche Whisky dabeihaben für den Fall eines Schlangenbisses. Man sollte außerdem immer eine Schlange dabeihaben.“

Dennoch gibt es einen Schauspieler, der W.C. Fields noch übertrifft. In der gesamten Filmgeschichte gibt es niemanden, der die Darstellung von Trinkern so perfektioniert hat wie Paul Newman.

Newman beherrscht alle Stadien und Facetten des Alkoholkonsums. Verträumt wie zu Beginn von Der Unbeugsame, verbittert in The Verdict, vom Schnaps energetisch angetrieben in Haie der Großstadt oder in seinem Hass bestärkt in Die Katze auf dem heißen Blechdach.

Mit Fug und Recht hätten Newmans Trinker also eine eigene Top 7 verdient. Dieser Gedanke bringt uns nun zum eigentlichen Ranking:

Platz 7: Barfly

Barbet Schroeder | 1987 | USA

Filmszene aus Barfly

Nicht nur im Film, auch in der Literatur ist Alkoholismus ein beliebtes Sujet. Kultautor Charles Bukowski hat zahlreiche Bücher über den verlorenen Trinker Henry Chinaski – sein Alter Ego – geschrieben.

Barfly ist die beste Bukowski-Verfilmung und besitzt in Mickey Rourke einen fantastischen Hauptdarsteller. Auf der Handlungsebene bleibt der Film oberflächlich, die Atmosphäre ist hingegen stimmig.

Platz 6: Leaving Las Vegas

Mike Figgis | 1995 | USA

So wechselhaft die Karriere von Nicolas Cage auch ist – seine oscarprämierte Glanzleistung in Leaving Las Vegas bleibt für die Ewigkeit. Cage spielt einen lebensverdrossenen Mann, der nach Las Vegas fährt, um sich dort zu Tode zu trinken.

Dem Drama von Mike Figgis gelingt es, Klischees zu vermeiden. Die überraschende Liebesbeziehung zwischen dem Todgeweihten und einer Prostituierten geht ans Herz, weil den Figuren eine große Wahrhaftigkeit innewohnt und der Film auf Hollywoodromantik verzichtet.

Platz 5: Die Schlinge

Wojciech Has | 1958 | Polen

Filmszene aus Die Schlinge

Die polnische Alkoholikerballade Die Schlinge wirkt zu keinem Zeitpunkt wie ein Debütfilm. Die Regie von Wojciech Has macht einen souveränen Eindruck, die expressiven Bilder transportieren die Tristesse des Trinkerlebens hervorragend.

Neben der finsteren Atmosphäre zählen das konsequente Drehbuch und der überzeugende Hauptdarsteller Gustaw Holoubek zu den Stärken des Films.

Platz 4: Wer hat Angst vor Virginia Woolf?

Mike Nichols | 1966 | USA

Filmszene aus Wer hat Angst vor Virginia Woolf

Mike Nichols‘ Ehedrama Wer hat Angst vor Virginia Woolf? zählt nicht zu den vergnüglichsten Filmerfahrungen. Der Regisseur adaptiert ein Theaterstück als besoffene Tour de Force und dokumentiert die immer aggressiver werdenden Streitigkeiten eines betrunkenen Ehepaares.

Die auch im echten Leben (mehrfach) verheirateten Richard Burton und Elisabeth Taylor sind eine Naturgewalt. Wer hat Angst vor Virginia Woolf? ist so enervierend wie mitreißend.

Platz 3: Das verlorene Wochenende

Billy Wilder | 1945 | USA

Filmszene aus Das verlorene Wochenende

Mit Das verlorene Wochenende drehte Billy Wilder die wohl bekannteste Alkoholikerballade überhaupt. Obwohl es sich um ein Drama handelt, blitzt immer mal wieder Wilders galliger Humor durch. In Erinnerung bleiben der großartige Ray Milland in der Hauptrolle sowie einige albtraumhafte Szenen, in denen Wilder das Delirium tremens in expressiven Bildern zeigt.

Platz 2: Rückfälle

Peter Beauvais | 1977 | Deutschland

Filmszene aus Rückfälle

Platz 2 sichert sich ein Geheimtipp: Der deutsche TV-Film Rückfälle begleitet einen Abstinenzler durch den Alltag. Wie der (mehrdeutige) Titel schon offenbart, dauert es nicht lange, bis der Protagonist wieder zur Flasche greift.

Drei Jahre vor seiner Paraderolle in Rainer Werner Fassbinders Berlin Alexanderplatz fegt Hauptdarsteller Günter Lamprecht wie ein Orkan durch dieses Kleinod der deutschen Fernsehgeschichte. Seine Darstellung eines Mannes im Vollsuff ist brillant und geht unter die Haut.

Platz 1: Die Tage des Weines und der Rosen

Blake Edwards | 1962 | USA

Die Tage des Weines und der Rosen ist Blake Edwards‘ Meisterwerk. Der Film schildert die Romanze zwischen zwei jungen Leuten und verwandelt ihre Beziehung in einen Albtraum, als beide alkoholabhängig werden.

Die Chemie zwischen Jack Lemmon und Lee Remick ist überragend. Die Bildgestaltung und die Inszenierung sind überragend. Das schreckliche Finale ist überragend. Alles ist überragend. Ein Melodram für die Ewigkeit.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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