TOMS TOP 0

Das Theater im Film

Das Theater ist gewissermaßen der ältere Bruder des Kinos. Folgerichtig bezieht sich die Filmwelt oft auf das Theater – sein Milieu, seine Regisseure, Autoren und Schauspieler. Diese Ausgabe von Toms Top 7 beschäftigt sich mit jenen Filmen, in denen das Theater eine Rolle spielt.

Filme, die auf einem Theaterstück basieren, aber keine inhaltlichen Bezüge zur Theaterwelt aufweisen, bleiben heute außen vor. Vielleicht bekommen sie in der Zukunft eine eigene Würdigung in dieser Rubrik.

Unter Toms Top 7 erscheinen regelmäßig kurze, absichtlich subjektiv gehaltene Listen zu spezifischen Themen. Achtung: Spoiler.

Erwähnenswerte Filme

Viele Filme rücken die Schauspieler eines Theaters in den Mittelpunkt ihrer Erzählung. Ingmar Bergmans Das siebente Siegel begleitet eine Truppe von mittelalterlichen Wanderschauspielern, Kon Ichikawas An Actor’s Revenge einen auf Rache sinnenden Kabuki-Darsteller.

Ebenfalls gefährlich: Der Broadwaystar Anthony John aus Ein Doppelleben, weil er nicht mehr zwischen Realität und Fiktion unterscheiden kann. Psychospiele zelebriert auch Roman Polanskis Venus im Pelz, der ein simples Casting in einen seltsamen Thriller verwandelt und ausschließlich in einem Theater spielt. Deutlich witziger verläuft die Darstellersuche in Machen wir’s in Liebe mit Marilyn Monroe und Yves Montand.

Die Verbindung zwischen Kunst und der realen Welt außerhalb des Theaters untersucht Mephisto von István Szabó, der den Werdegang eines Schauspielers während des erblühenden Nationalsozialismus begleitet.

Bemerkenswert ist auch, dass die Regisseure und Autoren der Theaterwelt in Filmen grundsätzlich vor existenziellen Krisen stehen. Oft kämpfen sie mit den Produktionsbedingungen: in Jacque Rivettes Paris gehört uns und in Woody Allens Bullets over Broadway. Manchmal verlieren sie sich sogar komplett in ihrer Fantasie, wie in Hinter dem Rampenlicht und Synecdoche, New York.

Nach diesem ersten Akt ist es nun an der Zeit, zum Höhepunkt zu kommen: Vorhang auf für Toms Top 7 zum Thema Theater im Film:

Platz 7: Die letzte Metro

François Truffaut | 1980 | Frankreich

Filmszene aus Die letzte Metro

In Die letzte Metro erscheint ein Pariser Theater wie die letzte Bastion der Freiheit im von den Nazis besetzten Frankreich. An diesem magischen, aber auch düsteren Ort schildert Truffaut, wie die von Catherin Deneuve gespielte Theaterdirektorin ihren jüdischen Mann im Keller versteckt, ein Stück vorantreibt und sich dabei dem Schauspieler Bernard (Gérard Depardieu) annähert.

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Platz 6: Sein oder Nichtsein

Ernst Lubitsch | 1942 | USA

Filmszene aus Sein oder Nichtsein

Nur wenige Szenen von Sein oder Nichtsein spielen im Theater selbst. Dennoch dreht sich alles an diesem Film um die dramatische Kunst. Die spannende Komödie von Ernst Lubitsch handelt von einer polnischen Theatergruppe, die vom Einmarsch der Deutschen überrascht werden. Anstatt auf der Bühne Nazis zu spielen, müssen die Darsteller sich nun als echte Nazis ausgeben. Nicht nur die deutschen Besatzer, auch eitle Mimen und spleenige Regisseure bekommen hier ihr Fett weg.

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Platz 5: Kinder des Olymp

Marcel Carné | 1945 | Frankreich

Filmszene aus Kinder des Olymp

Nicht von ungefähr beginnt und endet Kinder des Olymp mit einem Vorhang – das Meisterwerk von Marcel Carné spielt im Theatermilieu und kann es sich aufgrund seiner dreistündigen Spielzeit leisten, mehrere Szenen direkt auf der Bühne anzusiedeln. Dass der Film im Bühnengeschehen die Erzählung außerhalb des Theaters spiegelt, macht den brillanten Film noch besser.

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Platz 4: Die erste Vorstellung

John Cassavetes | 1977 | USA

Filmszene aus Die erste Vorstellung

Der für seine Charakterstudien berühmte John Cassavetes sichert sich Platz 4: Die erste Vorstellung ist eine Tour de Force, die den geistigen Niedergang einer Theaterdiva zeigt. Dank einer beeindrucken Leistung von Hauptdarstellerin Gena Rowlands transportiert der Film den Absturz seiner Protagonistin eindringlich. Die Angst vor dem Älterwerden und ein Alkoholproblem sorgen für einen emotionalen Strudel, der auch uns Zuschauer mitreißt. Besonders das trunkene Finale bleibt in Erinnerung.

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Platz 3: Alles über Eva

Joseph L. Mankiewicz | 1950 | USA

Filmszene aus Alles über Eva

In Alles über Eva sehen wir zwar das Geschehen auf der Bühne nicht, können aber das rege Treiben hinter den Kulissen genießen. Der Film von Joseph L. Mankiewicz filetiert das Showbusiness mit bissiger Ironie und erhielt ganze 14 Oscarnominierungen. „Schuld daran“ sind die herausragende Bette Davis als alternde Theaterdiva und die pointierten Dialoge.

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Platz 2: Birdman

Alejandro González Iñárritu | 2014 | USA

Filmszene aus Birdman oder die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit

Birdman offenbart, wie dicht Genie und Wahnsinn im Theater beisammenliegen. Die Tragikomödie kann ein Spitzenensemble vorweisen, kommt ohne sichtbare Schnitte aus und verfügt über einen einzigartigen Perkussions-Score. Die abstrusen Konflikte der Theaterleute sorgen für gute Unterhaltung; nebenbei sinniert Birdman über den Gegensatz von Kunst und Kommerz sowie die Dualität zwischen Realität und Bühnenleben.

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Platz 1: Noises Off! – Der nackte Wahnsinn

Peter Bogdanovich | 1992 | USA

Platz 1 geht an einen Geheimtipp: Noises Off! schildert die völlig aus dem Ruder laufenden Aufführung eines Theaterstücks und brennt dabei ein komödiantisches Feuerwerk ab. Zu Beginn erleben wir die misslingende Probe aus der ersten Reihe und lernen dabei das Stück kennen, dann versetzt uns der Film hinter die Bühne, wo wir Zeuge der Krisen und Kämpfe des Ensembles werden. Die immense Gagdichte und der gelungene, auf Antizipation ausgelegte Slapstick begeistern ohne Durchhänger.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann

Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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