Under the Skin

Ein Film von Jonathan Glazer

 

 | Erscheinungsjahr: 2013

 | Jahrzehnt: 2010 - 2019

 | Produktionsland: Großbritannien

 

Under the Skin, der dritte Film von Jonathan Glazer, macht keinen Spaß und interessiert sich herzlich wenig dafür, uns etwas zu erzählen. Der sperrige Science-Fiction-Film bietet eine herausfordernde Filmerfahrung, die letztlich unbefriedigend ausfällt, aber dennoch lange im Gedächtnis bleibt.

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Filmkritik:

Sofern wir Under the Skin als Science-Fiction-Film begreifen, der tatsächlich von einem Alien handelt, offenbart Glazers Inszenierung die komplett entemotionalisierte Sicht der extraterrestrischen Lebensform auf die menschliche Welt – nichts ist von Belang, niemand hat einen Wert, keinem Wort, keiner Geste, keinem Blick wohnt eine relevante Bedeutung inne. Dementsprechend fühlt sich der Film eiskalt und klinisch an.

Dabei lässt Under the Skin noch eine weitere Lesart zu und entfaltet still und langsam ein existenzielles Drama aus Bindungsängsten, Kommunikationsproblemen und Weltentfremdung, womit sich die (menschliche?) Protagonistin auseinandersetzen muss und zu scheitern droht.

So liegt der Clou des Films darin, dass beide Interpretationen sich ähneln, was pessimistische Aussagen evoziert. In welchem Maße ist unsere heutige, von Konsum und Digitalität bestimmte Kultur denn noch fähig, ein ursprüngliches, sinnliches und soziales Leben zu führen? Eine etwas positivere Sicht ist zumindest denkbar, wenn sich unmerklich Gefühle in die Kälte des Films schleichen.

Für derartige Gedankengänge bietet uns Under the Skin viel Raum, den auf der Handlungsebene passiert in den ersten zwei Dritteln des Films wenig. Glazer vertraut gänzlich auf die mysteriöse Atmosphäre, die düsteren Bilder und eine interessante musikalische Untermalung. Doch wo wo alles deutbar, aber nichts greifbar ist, verliert sich der Film im bedeutungslosen Nichts.

Wer gerade das meditative Element des Films schätzt, wird hingegen vom konkreten, handlungsorientierte Finale überrascht. Dieser Bruch lässt Under the Skin noch inkohärenter und richtungloser wirken.

Letztlich mutet Under the Skin wie eine Experimentalfilmversion von Nicolas Roegs The Man Who Fell To Earth mit David Bowie als Alien an. Apropos: Die Besetzung von Scarlett Johansson entpuppt sich als Geniestreich – welche Chuzpe, ein globales Sexsymbol zu benutzen, um nichtsahnende Zuschauer in einen Kunstfilm zu locken, der zäh wie die schwarze Masse ist, in der Johanssons Figur ihre Opfer verschwinden lässt! Nebenbei beweist die Hauptdarstellerin, dass sie nicht auf Blockbuster abonniert ist und sich traut, eine undankbare Rolle zu spielen.

Under the Skin ist nichtssagend, repetitiv, prätentiös – und bietet eine der interessantesten Filmerfahrungen des Jahres.

★★☆☆☆☆

Filmszene aus 2001: Odyssee im Weltraum

Science-Fiction-Film

Der Science-Fiction-Film besitzt eine Vielzahl von Ausprägungen: Erdbesuche von Alien und die Erkundung fremder Planeten zählen ebenso zum Repertoire wie dystopische Dramen und Zeitreisefilme. Dabei ergeben sich oft Schnittstellen zu anderen Genres – vom Horrorfilm bis zur Komödie ist im Sci-Fi-Setting alles möglich.