Hier gelten zunächst grundsätzliche Regeln: Höflichkeit, Freundlichkeit, soziale Interaktion nach Konvention. Doch im Laufe des Films entstehen daraus gänzlich andere Ebenen: Hörigkeit, Duckmäusertum und sogar Komplizenschaft. Der Übergang gestaltet sich fließend und regt zur Diskussion an – wie entsteht Führung und wann wird sie zur Diktatur?
Aufgrund der Vielzahl von Zwischentönen und den kafkaesken atmosphärischen Störungen fällt es aus heutiger Sicht schwer, das Geschehen nachzuempfinden und jede allegorische Nuance zu deuten, Vom Fest und den Gästen ist spürbar ein Produkt seiner Zeit. Dennoch offenbart sich das zeitlose Fazit auch heute noch leicht und macht deutlich, wie der Totalitarismus den Individualismus zerstört und zur Anpassung zwingt.
Das erinnert ein wenig an Luis Buñuels wunderbare Satire Der Würgeengel, kommt aber ungleich ernster und subtiler daher. Damit gestaltet sich Vom Fest und den Gästen trotz nur 70 Minuten Spielzeit alles andere als unterhaltsam, sondern bisweilen gewöhnungsbedürftig und schwierig, zählt aber unbestreitbar zurecht zum europäischen Kanon des politischen Films.