Wirkten Godards zwei vorherige Werke aus den Achtziger Jahren noch zurückhaltend, scheint der Franzose nun wieder die Sicherheit gewonnen zu haben, um sich selbstbewusst in vertraute Gewässer zu begeben und eine übertriebene Gangsterposse zu inszenieren. Dabei erreicht er leider in keinem Moment den Stilwillen seiner früheren, ähnlichen Werke wie beispielsweise Elf Uhr nachts; stattdessen setzt Vorname Carmen auf (unnötig) viel nackte Haut und reichlich amüsante Selbstironie, wenn Godard sich selbst als verlotterter Regisseur, der „früher mal berühmt gewesen ist“ einsetzt.
Trotz mehrerer Schießereien und einer unglücklichen Liebe generiert Vorname Carmen erwartungsgemäß keine Spannung; soweit geht Godards fortschreitende Anlehnung an das kommerzielle Kino dann doch nicht. Viel mehr beobachtet er die Absurdität unseres Lebens und die großen Wechselwirkungen von für sich alleine kleinen Dingen.
Dementsprechend entzieht sich die Handlung des Films oft konventioneller Logik, was die Figuren unwirklich wirken lässt. Paradoxerweise stellt Vorname Carmen dennoch das zugänglichste und unterhaltsamste Werk aus Godards später Phase dar. Ein Highlight in dessen Filmografie ist er trotzdem nicht.