Vorname Carmen

Regie: | Jahrzehnt: | Genre:


Filmkritik:

„Um einen Film zu machen, genügen eine Waffe und ein Mädchen.“, hat Godard einmal gesagt. Mit Vorname Carmen lässt er in einer sehr freien Adaption der weltberühmten Oper Carmen den Worten Taten folgen und schildert im wohl ungezügeltsten Film seines Spätwerks die Geschichte einer Femme Fatale, die einem Bankwachmann den Kopf verdreht und ins Verderben führt.

Wirkten Godards zwei vorherige Werke aus den Achtziger Jahren noch zurückhaltend, scheint der Franzose nun wieder die Sicherheit gewonnen zu haben, um sich selbstbewusst in vertraute Gewässer zu begeben und eine übertriebene Gangsterposse zu inszenieren. Dabei erreicht er leider in keinem Moment den Stilwillen seiner früheren, ähnlichen Werke wie beispielsweise Elf Uhr nachts; stattdessen setzt Vorname Carmen auf (unnötig) viel nackte Haut und reichlich amüsante Selbstironie, wenn Godard sich selbst als verlotterter Regisseur, der „früher mal berühmt gewesen ist“ einsetzt.

Trotz mehrerer Schießereien und einer unglücklichen Liebe generiert Vorname Carmen erwartungsgemäß keine Spannung; soweit geht Godards fortschreitende Anlehnung an das kommerzielle Kino dann doch nicht. Viel mehr beobachtet er die Absurdität unseres Lebens und die großen Wechselwirkungen von für sich alleine kleinen Dingen. Dementsprechend entzieht sich die Handlung des Films oft konventioneller Logik, was die Figuren unwirklich wirken lässt. Paradoxerweise stellt Vorname Carmen dennoch das zugänglichste und unterhaltsamste Werk aus Godards später Phase dar. Ein Highlight in dessen Filmografie ist er trotzdem nicht.

Handlung:

Carmen besucht ihren Onkel Jean, einen ehemaligen Regisseur, der in einer psychiatrischen Anstalt lebt. Sie will ihn für ein neues Filmprojekt gewinnen. Was er nicht ahnt: Die Filmaufnahmen dienen nur als Täuschung für ein Verbrechen. Kompliziert wird die Sache für Carmen, als sie ausgerechnet mit einem Sicherheitsbeamten eine leidenschaftliche Affäre beginnt…

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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2017-06-16T18:12:51+00:00

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