Aguirre, der Zorn Gottes

Ein Film von Werner Herzog

Genre: Drama

 | Strömung: Neuer Deutscher Film

 | Erscheinungsjahr: 1972

 | Jahrzehnt: 1970 - 1979

 | Produktionsland: Deutschland

 

Aguirre, der Zorn Gottes ist ein Meilenstein der deutschen Kinogeschichte. Als Resultat eines produktionstechnischen Gewaltaktes entfaltet der Film eine rohe Magie. Zudem markiert er den Startpunkt der langjährigen Kollaboration zwischen Regisseur Werner Herzog und Hauptdarsteller Klaus Kinski.

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Filmkritik:

Aguirre, der Zorn Gottes greift zwar auf typische Motive des Abenteuerfilms zurück, Herzogs kontemplative Inszenierung transzendiert diese jedoch. Es gibt kaum „Handlung“, es herrscht oft Stillstand. Das Unternehmen der Eroberer mutet von Anfang an unmöglich an. Sie bewältigen große Entfernungen und kommen doch nie vorwärts.

Die Expedition scheitert nicht auf geografischen, sondern auf geistigem Gebiet. Aufgrund ihres technischen und gesellschaftlichen Fortschritts legen die Spanier ein überhebliches Selbstverständnis an den Tag. Doch die Natur kennt keinen Respekt und lässt ihre vermeintlichen Eroberer schlichtweg an sich abprallen.

Dementsprechend erleben wir die Konquistadoren über weite Strecken des Films entkräftet: Sie schleppen sich müde durch das Dickicht oder harren demoralisiert in provisorischen Lagern aus. Längst ist klar, dass es für sie nichts zu gewinnen gibt, dennoch bleibt ihnen nur die Flucht nach vorn.

Aus diesem Fatalismus zieht der Film seinen Reiz und entwickelt eine Sogwirkung. Herzog infiziert nicht nur die Figuren, sondern auch uns Zuschauer mit seinem Dschungelfieber. Spätestens in der zweiten Hälfte der Spielzeit sind wir über den Punkt hinaus, eine Dramaturgie oder erzählerische Konventionen zu vermissen.

Stattdessen erleben wir einen Trip, der an Joseph Conrads Romanklassiker Herz der Finsternis erinnert und Francis Ford Coppola maßgeblich bei dessen freier Adaption Apocalypse Now beeinflusste. Die rohe Poesie von Herzogs Bildern, die eigentümliche Musik und Kinskis Präsenz erzeugen eine seltsame Lakonie und verleihen dem Film die verquere Selbstverständlichkeit eines Traums.

Zu dieser Wirkung tragen die Drehbedingungen entscheidend bei. Schon in der Vorproduktion wurde Werner Herzog von Termin- und Finanzierungsproblemen zurückgeworfen. Letztlich brachte der Regisseur mit seinem Privatvermögen 370.000 Dollar auf und stürzte sich kompromisslos in die privat wie beruflich risikoreichen Dreharbeiten.

Herzog betrieb knüppelhartes Guerilla-Filmemachen: Wie die Protagonisten kämpfte sich das Team durch den Dschungel, kampierte provisorisch und arbeitete unter gefährlichen Bedingungen. Eine Vorgehensweise, die der Regisseur nicht nur in Aguirre, der Zorn Gottes, sondern auch im nicht weniger irrwitzigen Fitzcarraldo wählen sollte.

Aus dieser Situation heraus entwickelte Herzog seinen Regieansatz entscheidend weiter. Anstatt künstliche Augenblicke herbeizuführen und zu filmen, trotzt der Regisseur seiner Umgebung „echte“ Bilder ab und überführt dabei ihre Natürlichkeit ebenso wie ihre Magie. Herzog besitzt die besondere Fähigkeit, das Versteckte im Vorhandenen zu sehen und so imposant wie möglich herauszuarbeiten.

Damit betrat Werner Herzog schon im Alter von 28 Jahren die Bühne des Weltkinos. Aguirre, der Zorn Gottes mauserte sich zu einem internationalen Erfolg und zählt zu den wichtigsten Vertretern des Neuen Deutschen Films.

★★★★★☆

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1970 – 1979

Die durch die neuen Wellen der Sechziger Jahre eingeleiteten Veränderungen nahmen auch in den Siebzigern Einfluss. In den USA entstand das New Hollywood und in Europa u.a. der Neue Deutsche Film. Erstmals kumulierten hohe Studiobudgets und die Kreativität junger Regisseure. Gegen Ende der Siebziger sorgte eine neue Entwicklung für die Wende: Die ersten Blockbuster erschienen und etablierten das Konzept marketinginduzierter Kino-Franchises.

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Der Neue Deutsche Film entstand in den Sechziger Jahren und grenzte sich von den damals populären leichten Unterhaltungsfilmen ab. Die Regisseure der Strömung sahen sich als Autorenfilmer und drehten Werke, die sich unabhängig vom Genre mit der Gesellschaft und Politik auseinandersetzen.

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