In Blessing Bell schickt der japanische Regisseur Sabu einen Mann auf eine Wanderung durch eine Großstadt. Beinahe den gesamten Film über läuft der Protagonist von links nach rechts durch statische Einstellungen und begegnet in unzähligen losen Episoden anderen Menschen, die ihn in ungewöhnliche Momente verwickeln.

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Filmkritik:

Gespielt wird der Mann von Susumu Terajima, der vornehmlich als Nebendarsteller aus zahlreichen Werken von Takeshi Kitano (Hana-bi, Brother, Sonatine) bekannt ist. Diese Besetzung passt so gut, weil Terajimas Protagonist zwar das Zentrum des Films bildet, dabei allerdings überwiegend passiv in Erscheinung tritt. Während seiner Odyssee spricht der Mann kein einziges Wort. Wir erfahren weder etwas über sein Leben, noch den Grund für den ungewöhnlichen Ausflug.

In den vielen lose miteinander verbundenen Episoden von Blessing Bell trifft der Protagonist auf eine kunterbunte Mischung an Charakteren: Einen reuigen Yakuza und eine tote Frau, eine diebische junge Mutter und einen Selbstmörder. Außerdem einen Krebskranken und einen alten Mann mit einem letzten Wunsch (witzige Nebenrolle: der uralten Neue-Welle-Regisseur Seijun Suzuki). Der Protagonist agiert dabei stets als stummer Spiegel für den jeweiligen Gegenüber. Seine bloße Anwesenheit hilft den anderen Menschen, gute oder schlechte Entscheidungen zu treffen; das führt wiederum zu überraschenden, kuriosen, witzigen und melancholischen Episoden.

Blessing Bell lässt sich zwar als Road-Movie ohne Auto umschreiben, die Überwindung physischer Räume erscheint im Gegensatz zu vielen Werken dieser Spielart jedoch unwichtig zu sein. Mir gefällt der Gedanke, dass Sabus Film die Ereignisse eines Menschenlebens auf 90 Minuten komprimiert. Auf seiner Reise erlebt der Protagonist wegweisende Momente, die Episoden verhandeln universelle Themen unserer Existenz: Geld, Karma, Wertesysteme, soziale Bindungen, den Sinn des Lebens und vor allem dessen Ende, den Tod.

Allerdings zielt Blessing Bell zu keinem Zeitpunkt auf die existenzialistische Schwere eines Ingmar Bergman ab, sondern kleidet das Geschehen in einen lakonischen Tonfall, der an die Filme von Jim Jarmusch erinnert. Das erscheint alles andere als typisch für Sabu, der zuvor mit Drive oder Monday energiegeladene, etwas verrückte Werke drehte.

Gerade der Verzicht auf jegliche Hektik gibt uns bei Blessing Bell Gelegenheit zur Reflexion, das Fehlen von Musik oder einer ständig bewegten Kamera tun sein Übriges. Je länger der Film dauert, desto größeren Charme entwickeln der meditative Tonfall und der leise Humor. Sabu ist ein erfrischender, kleiner feiner Film geglückt.

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DAS GENRE

Die Komödie zählt zu den Grundfesten des Kinos und funktioniert – wie auch der Horrorfilm – affektgebunden. Deshalb bringt uns der Slapstick aus den Stummfilmen von Charlie Chaplin genauso zum Lachen wie die rasenden Wortgefechte der Screwball-Komödien aus den Dreißiger Jahren, die spleenigen Charaktere von Woody Allen oder die wendungsreichen Geschichten von Billy Wilder.

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Foto von Tom Schünemann, dem Kritiker von Filmsucht.org

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Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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