Mit Der Mieter schloss Roman Polanski seine mit Ekel begonnene und mit Rosemaries Baby fortgesetzte Mieter-Trilogie ab und inszenierte erneut einen Horrorfilm ohne plakative Schrecken, der sich seinem Sujet hochgradig subtil und psychologisch nähert und dennoch zu fesseln vermag.

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Filmkritik:

Ursprünglich wollte Jack Clayton (Schloss des Schreckens) den Roman Le locataire chimerique von Roland Topor verfilmen, doch dann ging der Stoff doch an Polanski, der nicht nur die Regie übernahm und die erste Drehbuchfassung umschrieb, sondern als Hauptdarsteller auch eine seiner seltenen Schauspielrollen übernahm.

Zunächst gestaltet sich Der Mieter noch zurückhaltend und beschreibt seinen Protagonisten Trelkovsky als schüchtern und höflich, mit einem Hang zum Pech – ständig hat der Barbetreiber um die Ecke seine Gauloises nicht vorrätig. Neben der leisen Ironie schleicht sich jedoch schon bald etwas Diffuses in die Handlung: Die Nachbarn werden unfreundlicher, ein Krankenhausbesuch erweist sich als richtiggehend unangenehm und die neue Wohnung offenbart nach und nach ihre düstere Geschichte.

Hier kommen Polanskis inszenatorische Fähigkeiten hervorragend zur Geltung. Geschickt etabliert er im Verlauf des Films eine bleierne Stimmung und erhöht schrittweise den Druck auf seinen Protagonisten. Er enthebt die Handlung jeglicher räumlichen oder zeitlichen Verortung und erzeugt ein allgemeingültiges Setting.

Die psychologische Spannung verdrängt nach und nach die anfängliche Ironie und formt Der Mieter zu einem kafkaesken Thriller, der zunehmend grotesker gerät und viel Suspense auffährt. Passend zur stetig wachsenden und dennoch immer latent bleibenden Bedrohung verkörpert Polanski seinen Trelkovsky wunderbar nuanciert und uneitel, bietet eine breite Identifikationsfläche und schildert den körperlichen und geistigen Zerfall fließend und nachvollziehbar.

Der subtile Horror von Der Mieter bricht sich im Finale auf groteske Weise Bahn und mag von dem einen oder anderen Zuschauer als gewöhnungsbedürftig empfunden werden, stellt letztlich jedoch die größtmögliche Steigerung des Geschehens dar, schließt gleichzeitig geschickt den Kreis des Parabelhaften und übertrumpft damit sogar noch die anderen beiden Werke der Mieter-Trilogie.

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DIE ÄRA

Die durch die neuen Wellen der Sechziger Jahre eingeleiteten Veränderungen nahmen auch in den Siebzigern Einfluss. In den USA entstand das New Hollywood und in Europa u.a. der Neue Deutsche Film. Erstmals kumulierten hohe Studiobudgets und die Kreativität junger Regisseure. Gegen Ende der Siebziger sorgte eine neue Entwicklung für die Wende: Die ersten Blockbuster erschienen und etablierten das Konzept marketinginduzierter Kino-Franchises.

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Das Horrorgenre gibt uns die Möglichkeit, Schreckensszenarien durchzuspielen und damit Stress aus unserem Unterbewusstsein abzuleiten. Der Horrorfilm bedroht immer die Normalität – sei es durch Geister, Monster oder Serienkiller. In der Regel bestrafen die Antagonisten die Verfehlungen von Sündern, inzwischen verarbeiten postmoderne Horrorfilme diese Motive jedoch auch ironisch und verbreitern damit die ursprünglichen Sujets des Genres.

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Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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