Nach dem Erfolg von Der öffentliche Feind avancierte das Spiel von James Cagney zum Standard für impulsive Gangsterfiguren. Im Gegensatz zu späteren Auftritten wirkt Cagneys Darstellung hier allerdings noch etwas ungeschliffen; als wisse er noch nicht wohin mit seiner Ausstrahlung. Die Besetzung des Films überzeugt mit gleich zwei weiblichen Stars: Jean Harlow und Joan Blondell machen eine gute Figur.
Der öffentliche Feind entstand in den letzten Zügen der Pre-Code-Ära und zeigt Sex und Gewalt noch, ohne den kurze Zeit später eingeführten Regularien des Hays Code entsprechen zu müssen. Gerade von den dadurch möglichen denkwürdigen Szenen lebt der Film von William A. Wellmann und zeigt beispielsweise, wie eine Frau den betrunkenen Cagney verführt oder wie dieser voller Verachtung einer Affäre eine Grapefruit ins Gesicht drückt; szenenweise nimmt Wellmanns Werk die pessimistische Weltsicht des Film Noir vorweg.
Freilich rückt Der öffentliche Feind sein Geschehen noch in eine moralische Perspektive. 1931 terrorisierten die Gangster die amerikanische Bevölkerung noch abseits der Leinwand, sodass der Film das Geschehen exemplarisch aufzieht: Wir bekommen also das klassische Muster von Aufstieg und Fall präsentiert, was recht vorhersehbar wirkt und inzwischen auch ein wenig altbacken, gerade im Vergleich zu den eigenständigeren Klassikern Scarface und Die wilden Zwanziger.
Interessant fällt dann das Finale aus. Cagneys Figur stürzt sich in ein Feuergefecht, doch Der öffentliche Feind zeigt es nicht, sondern lässt ihn ein Gebäude betreten und den Rest auf der Tonspur passieren. Scheinbar wurde hier der Versuch unternommen, ihn nicht zu heroisieren oder cool wirken zu lassen, was gelingt, doch gleichzeitig wirkt dieser Schlüsselmoment trotz der sich anschließenden besten Szene des Films (Cagney, angeschossen taumelnd, im nächtlichen Regen) wenig spektakulär, auch der Schluss bleibt eher blass.