Scarface (1932)

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Filmkritik:

Scarface sticht selbst unter den großen Gangsterfilmen seiner Ära heraus. Howard Hawks‘ Klassiker bildete den Krieg der Chicagoer Gangster so brutal ab wie kein Film zuvor und hat sich dank seiner dynamischen Inszenierung besser gehalten als zuvor veröffentlichte Werke wie Der kleine Cäsar oder Der öffentliche Feind.

In einer Zeit, als die Tommyguns der Gangster echte Menschenleben forderten, musste sich Hollywood zunehmend mit den Anforderungen des Hays Code auseinandersetzen, der sexuelle und gewalttätige Inhalte einschränkte. Beinahe ein halbes Dutzend Drehbuchautoren, darunter der fantastische Ben Hecht, bearbeiteten den Stoff. Obwohl Scarface bereits 1930 fertiggestellt war, scheiterte die Veröffentlichung an den Auflagen der Zensurbehörden. Erst nach einigen Nachdrehs und Entschärfungen erschien der vom Millionär Howard Hughes produzierte Film 1932.

Hawks‘ Film schildert in schon damals klassischer Manier den Aufstieg und Fall des Gangsters Tony Camonte und weckt mit dessen Werdegang Assoziationen zum berühmt-berüchtigten Al Capone. Paul Muni verkörpert den gewissenlosen Mörder mit großer Präsenz und nuanciertem Spiel, was ihm endgültig den Ruf eines versierten Charakterdarstellers einbrachte. Auch für George Raft, der Camontes Komplizen mit zurückhaltender Coolness und verbindlicher Ausstrahlung spielt, bedeutete Scarface den Durchbruch, auf den zahllose weitere Rollen als Gangster folgten.

Regisseur Howard Hawks ist die treibende Kraft des Films. Während das Drehbuch einen eher realistischen Ansatz verfolgte, erkannte Hawks das epische Potenzial des Stoffes und inszenierte Tony Camonte als überlebensgroße Figur, die in Ansätzen einem tragischen Anti-Helden gleicht: Wie so oft im Gangsterfilm scheint der American Dream den Protagonisten korrumpiert und damit selbst produziert zu haben.

Die Entwicklung vom Handlanger zum Unterweltkönig treibt Hawks energisch voran, seine pointierte Regie hält das Tempo hoch und vermittelt den sich verselbstständigenden Werdegang Carmontes durch symbolhafte Motive (wie ständig auftauchenden Kreuzen und dem Slogan „The World is Yours“, den später auch Brian De Palma in seinem meisterhaften Remake benutzte) und einer mitreißenden Inszenierung, dessen Gewaltszenen damals Maßstäbe setze. Die düstere Bildgestaltung tut ihr Übriges für die pessimistische Stimmung des Films, der zwar nicht so expressiv mit Licht und Schatten spielt wie später die Werke des Film Noir, dennoch als Vorläufer gesehen werden kann.

Angesicht seiner vielen Vorzüge erscheint es wenig verwunderlich, dass Al Capone selbst eine Privatkopie von Hawks Klassiker besessen haben soll. Scarface zählt zu den einflussreichsten Werken seiner Zeit und überzeugt noch heute.

Handlung:

Als Handlanger arbeitet der kaltblütige Tony Camonte für den etablierten Gangster Johnny Lovo, der dank der Prohibition durch Alkoholschmuggel reich wird. Der ehrgeizige Tony, der aufgrund einer Narbe „Scarface“ genannt wird, setzt alles daran, mehr Geld anzuhäufen und tritt dabei sowohl der Konkurrenz, als auch seinem Boss auf die Füße. Doch bremsen lässt sich Scarface von niemanden mehr – er zettelt einen Bandenkrieg an und strebt nach der Krone der Chicagoer Unterwelt…

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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