Der Western zählt sicherlich zu den Genres, in denen am wenigsten gesprochen wird; im Zweifelsfall lassen die Protagonisten eher ihre Colts sprechen. Im New Hollywood-Western Der weite Ritt passiert hingegen beides selten.

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Filmkritik:

Zwei Jahre nach den Erfolgen des Kultfilms Easy Rider inszenierte Peter Fonda Der weite Ritt und spielte auch die Hauptrolle. Mit einem klassischen Western hat sein Werk wenig zu tun, viel mehr bot dieses uramerikanische Genre schlichtweg die passende Bühne, um Fondas Motive zu verhandeln. Diese ermöglichen zwei Bedeutungsebenen.

Der titelgebende lange Ritt entspricht einer Odyssee, die Fondas Protagonist unternahm: Sieben lange Jahre bereiste er die Vereinigten Staaten auf der Suche nach Abenteuern, Freiheit und Geld. Nun kehrt er zurück zu der beschaulichen Farm und seiner Frau, die er verlassen hatte. Im Hinblick auf diese Handlung mutet Fondas Werk wie ein klassisches Melodram an und dokumentiert die Entfremdung zwischen den Eheleuten, die vernarbten, aber nicht unbedingt verheilten Wunden der Vergangenheit. Der Konflikt des Paares äußert sich oft nicht einmal in Worten, sondern in Blicken, im Wahren räumlicher Distanz, im Zudrehen eines Rückens und ist ausgezeichnet inszeniert und gespielt.

Gleichermaßen hinterfragt Der weite Ritt auch seine Version von Amerika, wie es sich für einen New Hollywood-Film gehört. Was hat das Land aus diesem Mann gemacht? Ganz offensichtlich war der Lebenssinnsuche von Fondas Figur kein großer Erfolg beschienen. Und Freiheit ohne Lebenssinn entpuppte sich als schale Erhabenheit. Es ist ja nicht so, dass der Protagonist hinaus in die Welt zog und dann feststellte, dass sein Herz für seine Heimat schlägt; viel mehr blieb ihm einfach kein Ort mehr, den er noch bereisen könnte. Das Land hatte ihm nichts mehr zu geben, hat es vielleicht auch nie. Verschwendete er seine Zeit? Welcher praktische Wert kann etwas so Abstraktem wie Freiheit innewohnen?

Fondas Abgesang auf den Mythos des Wilden Westens (und damit auch auf den American Way Of Life) schlägt einen gänzlich anderen Ton an als ähnliche Werke. Wo Robert Altman in McCabe & Mrs. Miller zur Dekonstruktion greift und Sam Peckinpah es in The Wild Bunch noch einmal richtig krachen lässt, wählt Fonda die Melancholie. Sein weicher, fließender Stil mit unheimlich langen Überblendungen, großer Bedachtsamkeit und wenig Handlung begünstigt das Schwelgen in Gedanken. Nicht immer erreicht Der weite Ritt die ganz große Wahrhaftigkeit, die er anzustreben scheint, doch in seinen besten Momenten geht das Konzept des Films auf.

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DIE ÄRA

Die durch die neuen Wellen der Sechziger Jahre eingeleiteten Veränderungen nahmen auch in den Siebzigern Einfluss. In den USA entstand das New Hollywood und in Europa u.a. der Neue Deutsche Film. Erstmals kumulierten hohe Studiobudgets und die Kreativität junger Regisseure. Gegen Ende der Siebziger sorgte eine neue Entwicklung für die Wende: Die ersten Blockbuster erschienen und etablierten das Konzept marketinginduzierter Kino-Franchises.

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DIE STRÖMUNG

Mitte der Sechziger Jahre gelangte das traditionelle Hollywood-Kino Mitte der Sechziger Jahre an einen kreativen Nullpunkt, der eine neue Strömung ermöglichte. Das New Hollywood legte die kreative Kontrolle der Produzenten in die Hände junger Regisseure, die so unkonventionelle Filme drehen konnten. Gesellschaftskritische Werke mit Außenseitern als Protagonisten sorgten für die Wiederbelebung des amerikanischen Kinos.

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ÜBER DEN KRITIKER

Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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