Wie schon die vorangegangenen Werke von Jean-Luc Godard erweist sich auch Die Chinesin als politischer Film, der keine klassische Narration aufbaut, sondern episodenhaft und dokumentarisch Szenen zeigt, in denen die Protagonisten politische Thesen aufstellen und diskutieren.

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Filmkritik:

Lose auf einem Dostojewski-Roman basierend, entwirft der französische Filmemacher in seinem Porträt einer fünfköpfigen Studentenkommune einen Diskussionsraum im Wortsinne, spielt Die Chinesin doch hauptsächlich in Innenräumen und versammelt hier seine Protagonisten, um eingehend über Sozialismus, Marxismus und Maoismus zu debattieren.

Dementsprechend kommt dem Zuschauer eine politische und geschichtliche Vorbildung zugute, ohne die es schwer ist, die vielen Aussagen einzuordnen und die abstrakten Diskussionen nachzuvollziehen. Interessanter fand ich allerdings ohnehin die unterschiedlichen Mitglieder der kleinen Gemeinschaft, die einen Querschnitt der Gesellschaft darstellen. In der Kommune wohnen eine Studentin der Naturwissenschaften, ein Schauspieler, eine Gelegenheitsprostituierte, eine Philosophiestudentin und ein Maler. Obwohl ihre grundsätzliche politische Einstellung sie eint, ergeben sich aus den gegensätzlichen Herkunftsmilieus Konflikte, die nicht immer gelöst werden können.

Die Gründe für das Scheitern der Gruppe scheinen am interessantesten zu sein; zumal Godard das Geschehen einerseits ironisch konnotiert, andererseits jedoch auch die Tragik der Nichtdurchführbarkeit von Idealen herausstellt. Da Die Chinesin in jeder Hinsicht ein Zeitgeistfilm ist, richtet er sich wohl vor allem an erklärte Liebhaber Godards oder an politisch interessierte Filmfans, bietet alles andere als leichte Kost.

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DER REGISSEUR

Mit seinem Debütfilm Außer Atem schrieb Jean-Luc Godard Kinogeschichte und setzte die Nouvelle Vague in Gang. Der ehemalige Filmkritiker prägte das Medium Film nachhaltig: Seine postmoderne Erzählweise und innovativen Inszenierungen, seine beißende Gesellschaftskritik und Essayfilme wurden bewundert, diskutiert und kopiert. Allein in den Sechziger Jahren drehte Godard 15 Werke, von denen die meisten inzwischen fest zum Kanon der Filmgeschichte gehören.

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DER REGISSEUR

Jean-Luc Godard

Mit seinem Debütfilm Außer Atem schrieb Jean-Luc Godard Kinogeschichte und setzte die Nouvelle Vague in Gang. Der ehemalige Filmkritiker prägte das Medium Film nachhaltig: Seine postmoderne Erzählweise und innovativen Inszenierungen, seine beißende Gesellschaftskritik und Essayfilme wurden bewundert, diskutiert und kopiert. Allein in den Sechziger Jahren drehte Godard 15 Werke, von denen die meisten inzwischen fest zum Kanon der Filmgeschichte gehören.

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DIE STRÖMUNG

Die Nouvelle Vague wischte die altmodischen „Filme der Väter“ beiseite und entwickelte das moderne Kino. Erstmals beschäftigten sich Filme selbstreferenziell mit sich selbst, anstatt lediglich Geschichten mit Bildern zu erzählen. Mit der Generalüberholung von Inszenierung, Schnitt und Erzählweise legte die Nouvelle Vague die Grundlagen unserer heutigen postmodernen Filme, Musikvideos und Werbespots.

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ÜBER DEN KRITIKER

Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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