Lose auf einem Dostojewski-Roman basierend, entwirft der französische Filmemacher in seinem Porträt einer fünfköpfigen Studentenkommune einen Diskussionsraum im Wortsinne, spielt Die Chinesin doch hauptsächlich in Innenräumen und versammelt hier seine Protagonisten, um eingehend über Sozialismus, Marxismus und Maoismus zu debattieren.
Dementsprechend kommt dem Zuschauer eine politische und geschichtliche Vorbildung zugute, ohne die es schwer ist, die vielen Aussagen einzuordnen und die abstrakten Diskussionen nachzuvollziehen. Interessanter fand ich allerdings ohnehin die unterschiedlichen Mitglieder der kleinen Gemeinschaft, die einen Querschnitt der Gesellschaft darstellen. In der Kommune wohnen eine Studentin der Naturwissenschaften, ein Schauspieler, eine Gelegenheitsprostituierte, eine Philosophiestudentin und ein Maler. Obwohl ihre grundsätzliche politische Einstellung sie eint, ergeben sich aus den gegensätzlichen Herkunftsmilieus Konflikte, die nicht immer gelöst werden können.
Die Gründe für das Scheitern der Gruppe scheinen am interessantesten zu sein; zumal Godard das Geschehen einerseits ironisch konnotiert, andererseits jedoch auch die Tragik der Nichtdurchführbarkeit von Idealen herausstellt. Da Die Chinesin in jeder Hinsicht ein Zeitgeistfilm ist, richtet er sich wohl vor allem an erklärte Liebhaber Godards oder an politisch interessierte Filmfans, bietet alles andere als leichte Kost.