Die Chinesin

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Filmkritik:

Wie schon in den vorangegangenen Werken von Jean-Luc Godard, erweist sich auch Die Chinesin als überaus politischer Film, der keine klassische Narration aufbaut, sondern episodenhaft und dokumentarisch Szenen zeigt, in denen die Protagonisten politische Thesen aufstellen und diskutieren. Lose auf einem Dostojewski-Roman basierend, entwirft der französische Filmemacher in seinem Porträt einer fünfköpfigen Studentenkommune einen Diskussionsraum im Wortsinne, spielt Die Chinesin doch hauptsächlich in Innenräumen und versammelt hier seine Protagonisten, um eingehend über Sozialismus, Marxismus und Maoismus zu debattieren.

Dementsprechend kommt dem Zuschauer eine politische und geschichtliche Vorbildung zugute, ohne die es schwer ist, die vielen Aussagen einzuordnen und die abstrakten Diskussionen nachzuvollziehen. Interessanter fand ich allerdings ohnehin die unterschiedlichen Mitglieder der kleinen Gemeinschaft, die einen Querschnitt der Gesellschaft darstellen. In der Kommune wohnen eine Studentin der Naturwissenschaften, ein Schauspieler, eine Gelegenheitsprostituierte, eine Philosophiestudentin und ein Maler. Obwohl ihre grundsätzliche politische Einstellung sie eint, ergeben sich aus den gegensätzlichen Herkunftsmilieus Konflikte, die nicht immer gelöst werden können.

Überhaupt scheinen die Gründe für das Scheitern der Gruppe am interessantesten zu sein; zumal Godard das Geschehen einerseits ironisch konnotiert, andererseits jedoch auch die Tragik der Nichtdurchführbarkeit von Idealen herausstellt. Da Die Chinesin in jeder Hinsicht ein Zeitgeistfilm ist, richtet er sich wohl vor allem an erklärte Liebhaber Godards oder an politisch interessierte Filmfans, bietet alles andere als leichte Kost.

Handlung:

Fünf junge Leute schließen sich in Paris 1967 zu einer Kommune zusammen, studieren die Probleme der Gegenwart und diskutieren über Karl Marx, Mao, den Sozialismus und Vietnam. In Zeitschriften und mit Laienspielen versuchen sie, die Botschaft des Großen Vorsitzenden unters Volk zu bringen. Ziel: Das Bewusstsein der Arbeiter und die Gesellschaft zu verändern. Doch bei den Bürgern, die sie mit Parolen und Zitaten aktivieren wollen, ernten sie Spott und Ablehnung. Entmutigt lassen sie sich am Ende zu einem sinnlosen Terrorakt verleiten.

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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2017-06-15T22:57:35+00:00

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