Dabei macht das episodenhafte Road-Movie auch vor seinem Publikum nicht Halt: Nach einer so düster wie intimen, an Werke von Ingmar Bergman erinnernden Eröffnungsszene entfesselt Godard ein Inferno des Niedergangs und beweist einmal mehr seine inszenatorische Virtuosität.
In einer berühmt-berüchtigten Plansequenz, die Filmgeschichte schrieb, lässt der Franzose die Kamera nahezu neun Minuten ohne Unterbrechung an einem Stau auf einer Landstraße vorübergleiten. Godard verdammt uns in dieser Szene zum hilflosen Beifahrer und setzt einem durchgängigen Gehupe aus, das an den Nerven zerrt und die dysfunktionale Welt von Weekend nachhaltig illustriert.
Auch nach dieser so fantastisch inszenierten wie enervierenden Szene findet Godard für Weekend immer wieder seltsame Bilder und groteske Episoden. Über allem schwebt eine Aura aus Negativität. Zwischen den ständig auftauchenden Opfern der Autounfälle, den fortwährenden Wortgefechten und dem omnipräsenten Geschrei wirkt jeder Mensch wie ein Feind des anderen, während die Reste des verkümmerten Soziallebens maximal ein Tolerieren der Anwesenheit anderer Personen ermöglichen.
Frieden scheinen nur jene zu finden, die sich in die Wälder abseits der Städte zurückziehen. Dass auch dieser Eindruck täuschen kann, dokumentieren dann die letzten zwanzig, eher mauen Minuten; dennoch erweist sich Weekend als mit größtmöglicher Konsequenz errichtetes Fanal, mit dem Godard einmal mehr das Erreichen einer kapitalistischen Gesellschaft im Endstadium anmahnt und den Zuschauer wirkungsvoll zur Auseinandersetzung zwingt.