Weekend zählt zu den radikalsten Werken im Schaffen von Jean-Luc Godard und beschreibt eine Gesellschaft, die sich in Auflösung befindet. Jede Interaktion zwischen den Menschen ist geprägt durch Misstrauen, das sich in Aggressionen und Gewalt entlädt.

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Filmkritik:

Dabei macht das episodenhafte Road-Movie auch vor seinem Publikum nicht Halt: Nach einer so düster wie intimen, an Werke von Ingmar Bergman erinnernden Eröffnungsszene entfesselt Godard ein Inferno des Niedergangs und beweist einmal mehr seine inszenatorische Virtuosität. In einer berühmt-berüchtigten Plansequenz, die Filmgeschichte schrieb, lässt der Franzose die Kamera nahezu neun Minuten ohne Unterbrechung an einem Stau auf einer Landstraße vorübergleiten und setzt den Zuschauer , der hier quasi zum hilflosen Beifahrer Godards gemacht wird, während der gesamten Szene einem gellenden Gehupe aus, das an den Nerven zerrt und die dysfunktionale Welt von Weekend eindrucksvoll illustriert.

Auch nach dieser so fantastisch inszenierten wie enervierenden Szene findet Godard für Weekend immer wieder seltsame Bilder und groteske Episoden. Über allem schwebt eine Aura aus Negativität. Zwischen den ständig auftauchenden Opfern der Autounfälle, den fortwährenden Wortgefechten und dem omnipräsenten Geschrei wirkt jeder Mensch wie ein Feind des anderen, während die Reste des verkümmerten Soziallebens maximal ein Tolerieren der Anwesenheit anderer Personen ermöglichen.

Frieden scheinen nur jene zu finden, die sich in die Wälder abseits der Städte zurückziehen. Dass auch dieser Eindruck täuschen kann, dokumentieren dann die letzten zwanzig, eher mauen Minuten; dennoch erweist sich Weekend als mit größtmöglicher Konsequenz errichtetes Fanal, mit dem Godard einmal mehr das Erreichen einer kapitalistischen Gesellschaft im Endstadium anmahnt und den Zuschauer wirkungsvoll zur Auseinandersetzung zwingt.

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DER REGISSEUR

Mit seinem Debütfilm Außer Atem schrieb Jean-Luc Godard Kinogeschichte und setzte die Nouvelle Vague in Gang. Der ehemalige Filmkritiker prägte das Medium Film nachhaltig: Seine postmoderne Erzählweise und innovativen Inszenierungen, seine beißende Gesellschaftskritik und Essayfilme wurden bewundert, diskutiert und kopiert. Allein in den Sechziger Jahren drehte Godard 15 Werke, von denen die meisten inzwischen fest zum Kanon der Filmgeschichte gehören.

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DER REGISSEUR

Jean-Luc Godard

Mit seinem Debütfilm Außer Atem schrieb Jean-Luc Godard Kinogeschichte und setzte die Nouvelle Vague in Gang. Der ehemalige Filmkritiker prägte das Medium Film nachhaltig: Seine postmoderne Erzählweise und innovativen Inszenierungen, seine beißende Gesellschaftskritik und Essayfilme wurden bewundert, diskutiert und kopiert. Allein in den Sechziger Jahren drehte Godard 15 Werke, von denen die meisten inzwischen fest zum Kanon der Filmgeschichte gehören.

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DIE STRÖMUNG

Die Nouvelle Vague wischte die altmodischen „Filme der Väter“ beiseite und entwickelte das moderne Kino. Erstmals beschäftigten sich Filme selbstreferenziell mit sich selbst, anstatt lediglich Geschichten mit Bildern zu erzählen. Mit der Generalüberholung von Inszenierung, Schnitt und Erzählweise legte die Nouvelle Vague die Grundlagen unserer heutigen postmodernen Filme, Musikvideos und Werbespots.

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ÜBER DEN KRITIKER

Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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