Paris, Texas

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Filmkritik:

Wim Wenders‘ existenzielles Drama Paris, Texas zählt zu den besten Arbeiten des deutschen Regisseurs, gewann 1984 die goldene Palme bei den Filmfestspielen in Cannes und setzte nach dem Tod von Rainer Werner Fassbinder den Schlusspunkt unter den Neuen Deutschen Film.

Wenders steigt an einem Nullpunkt ein. Bei einem Mann namens Travis, der scheinbar ziellos und ohne Wasser durch die texanische Wüste marschiert und schließlich zusammenbricht. Einen Anruf später fliegt sein Bruder durch die Vereinigten Staaten, um ihn abzuholen. In den ersten 25 Minuten des Films spricht Travis kein Wort.

Abgesehen von den fantastischen Wüstenbildern von Kameramann Robby Müller und der lakonischen Musik von Ry Cooder bietet Paris, Texas uns zunächst nicht viel an, auf der Handlungsebene geschieht wenig. Doch gerade der Verzicht auf eine klassische Einleitung befeuert eine subtile Spannung – nicht, weil gleich etwas passieren könnte, sondern weil diesem Travis offensichtlich bereits etwas widerfahren ist, was ihn an diesen Nullpunkt gebracht hat.

Das Drehbuch von Sam Shepard lässt sich Zeit und füttert uns sukzessive mit Informationen zu Travis‘ Vorgeschichte. Der Mittelteil des 147 Minuten langen Werkes lässt eine trügerische Ruhe walten. Die Charaktere werden nicht erklärt, sondern lediglich beobachtet, was nicht besonders fesselt, allerdings durchgängig interessant bleibt.

Schließlich machen sich Travis und sein Sohn auf zu einer Mission, die Ehefrau und Mutter dieser zersplitterten Kleinfamilie wiederzufinden. Hier spielt der Road-Movie-erfahrene Wenders seine Stärken aus und findet für die amerikanischen Highways und Kleinstädte großartige Bilder, deren bestechende Farbkompositionen ein ungeheures Flair erzeugen. Wie Wenders und Müller das nächtliche Neon einfangen, zeugt von einem Blick auf die Vereinigten Staaten, wie ihn wohl nur Europäer haben können.

Das letzte Drittel von Paris, Texas wirkt nicht nur am stärksten, weil sich das Drehbuch von der Figurenzeichnung ab- und zur Gestaltung einer Handlung hinwendet, sondern auch, weil hier die emotionalen Höhepunkte entstehen. In der denkwürdigsten Szene des Films treffen Harry Dean Stantons Travis und die von Nastassja Kinski gespielte Mutter des gemeinsamen Sohnes aufeinander. Getrennt durch die verspiegelte Scheibe einer Peepshowkabine und verbunden durch ein Telefon, schildert Travis die Vergangenheit aus seiner Sicht. Obwohl es sich um eine stille, melancholische Szene handelt, entlädt sich hier eine gewaltige Last, was eine ganz eigene Magie erzeugt.

Etwas Geduld vorausgesetzt, überzeugt Paris, Texas als gefühlvolle Meditation über die Irrwege des Lebens und sinniert balladenhaft über die Bewältigung von Vergangenheit. Der Film erweist sich als überaus menschlich und beeindruckt mit visuellen Schauwerten – ein zeitloses Highlight in der Filmografie von Wim Wenders.

Handlung:

Vier Jahre nach seinem Verschwinden taucht der tot geglaubte Travis in einer Steinwüste nahe der mexikanischen Grenze auf. Ein Arzt benachrichtigt seinen Bruder Walt, der den erinnerungslosen Mann in seinem noblen Haus in L.A. aufnimmt. Bei Walt rifft Travis auch auf seinen siebenjährigen Sohn Hunter, der seit der Trennung seiner Eltern bei seinem Onkel lebt. Zögerlich kehren Travis‘ Erinnerungen zurück und auch sein zurückhaltender Sohn fasst langsam Vertrauen. Gemeinsam mit Hunter begibt sich Travis auf die Suche nach seiner verschollenen Frau Jane: Der Beginn einer abenteuerlichen Odyssee durch den kargen Südwesten Amerikas…

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Tom ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.

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