Hexenkessel

Ein Film von Martin Scorsese

Genre: Drama

 | Strömung: New Hollywood

 | Erscheinungsjahr: 1973

 | Jahrzehnt: 1970 - 1979

 | Produktionsland: USA

 

Nach seinen ersten, durchwachsenen Gehversuchen unter den Fittichen von B-Movie-Papst Roger Corman gelang Martin Scorsese 1973 mit Hexenkessel der künstlerische wie kommerzielle Durchbruch. Auch Hauptdarsteller Harvey Keitel und Robert De Niro ebnete der Film den Weg zur großen Karriere.

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Filmkritik:

Wie auch später in Casino und GoodFellas arbeitet sich auch Hexenkessel mehr an seinen Charakteren ab und an deren Milieu, statt auf eine konventionelle Geschichte mit klassischen Akten und Plot Points zu setzen. Hier ist alles noch eine Nummer kleiner und deutlich roher als in späteren Werken, jedoch auch deutlich persönlicher.

Hexenkessel spielt in Little Italy, dem früheren Einwandererstadtteil New Yorks, in dem Scorsese aufwuchs, und bebildert einen Ausschnitt aus dem Leben einiger Kleingangster. Im Zentrum des Films steht der von Harvey Keitel gespielte Charlie, dessen Onkel eine größere Nummer der Mafia ist, während er und seine Freunde nur den kleinen Deals der Straße nachgehen. Scorsese porträtiert Charlie als anständigen, ehrlichen Mann, der seine ganze Umgebung zusammenhält. Er vermittelt zwischen Streitenden, hilft seinem bei jedem Bekannten verschuldeten Freund Johnny Boy und organisiert innerhalb seines kleinen Rahmens, was er nur kann.

Die Crux des Geschehens ist es, dass Charlie zwar allen anderen hilft, mit seiner eigenen Situation jedoch unzufrieden ist – ein zentrales Element, über das Scorsese, der beinahe Priester geworden wäre, seinen Katholizismus verhandelt. Ständig steht Charlie vor der Wahl, sich selbst oder anderen zu helfen, seine Stärke nicht für sich, sondern für die Schwächen seiner Freunde einzusetzen und dadurch selbst nicht voran zu kommen. Letztlich wirft Hexenkessel die Frage auf, ob moralische Integrität in einer derart unnachgiebigen Umwelt funktionieren kann oder sich eher als Nachteil erweist.

Angesichts der Konzentration auf sein Milieu tritt die Handlung in den Hintergrund; nicht sie, sondern die Figurenkonstellationen treiben das Geschehen voran. Dementsprechend wirkt Scorseses Werk auf der inhaltlichen Ebene bisweilen etwas statisch und vorhersehbar, wenn man ihn als Gangsterfilm begreift; als Charakterstudie funktioniert Hexenkessel jedoch recht gut.

Die agile Handkamera sorgt für stimmige Bilder und einige Atmosphäre, die ein wenig seltsame Musikzusammenstellung aus lauter alten Popsongs zumindest für Retro-Flair. Vor allem lebt der Film von seinen Darstellern: Während De Niro seinen tumben Johnny Boy mit gewohnt großen Gesten ausstattet, glänzt vor allem Harvey Keitel mit viel Ambivalenz und transportiert Scorseses Sujet über weite Strecken im Alleingang.

Hexenkessel mag kaum herausragende Höhepunkte in petto haben wie Taxi Driver und längst nicht so schmissig erzählt werden wie die späteren Gangsterfilme Scorseses, als erster Prototyp bietet er Fans des Filmemachers jedoch zumindest interessantes Anschauungsmaterial.

★★★☆☆☆

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Martin Scorsese

Martin Scorsese gehört zu den vielen Regietalenten, die das aufblühende New Hollywood-Kino zutage förderte. Immer wieder beschäftigte sich der Regisseur mit Männern, die das Gesetz übertreten und an der Gesellschaft scheitern. Bald 50 Jahre lang blieb Scorsese seinem Sujet treu, schuf viele bedeutende Filme und zählt zu den größten Regisseuren der amerikanischen Kinogeschichte.

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New Hollywood

Mitte der Sechziger Jahre gelangte das traditionelle Hollywood-Kino an einen kreativen Nullpunkt, der eine neue Strömung ermöglichte. Das New Hollywood legte die kreative Kontrolle der Produzenten in die Hände junger Regisseure, die so unkonventionelle Filme drehen konnten. Gesellschaftskritische Werke mit Außenseitern als Protagonisten sorgten für die Wiederbelebung des amerikanischen Kinos.

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