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Schießen Sie auf den Pianisten

Ein Film von 
Genre: Kriminalfilm | Strömung: Nouvelle Vague | Erscheinungsjahr: 1960 | Jahrzehnt: 1960 - 1969 | Produktionsland: Frankreich
Mit seinem zweiten Film Schießen Sie auf den Pianisten ging François Truffaut ein Risiko ein und vollzog einen Stilwechsel. Nach seinem Durchbruch mit dem tristen autobiografischen Drama Sie küssten und sie schlugen ihn widmete sich der Regisseur einem deutlich leichteren Stoff.
Strömung: Nouvelle Vague
Erscheinungsjahr: 1960
Jahrzehnt: 1960 - 1969
Produktionsland: Frankreich
Mit seinem zweiten Film Schießen Sie auf den Pianisten ging François Truffaut ein Risiko ein und vollzog einen Stilwechsel. Nach seinem Durchbruch mit dem tristen autobiografischen Drama Sie küssten und sie schlugen ihn widmete sich der Regisseur einem deutlich leichteren Stoff.

Filmkritik

Truffaut drehte Schießen Sie auf den Pianisten als Huldigung seiner amerikanischen Vorbilder. Seine zweite Arbeit erinnert an die Film Noirs der Vierziger Jahre, der Autorenfilmer inszenierte den Stoff jedoch als Tragikomödie.

Die Geschichte basiert lose auf dem Kriminalroman Down There von David Goodis und handelt von einem virtuosen Klavierspieler, der sich aufgrund seiner tragischen Vergangenheit von öffentlichen Auftritten zurückgezogen hat und unter Pseudonym in einer Kneipe spielt. Dort verliebt er sich in eine Kellnerin und muss sich zugleich zweier Gangster erwehren, die ihn wegen seines kriminellen Bruders unter Druck setzen.

Truffaut quetscht diese drei Motive – die tragische Vergangenheit, den Konflikt mit den Gangstern sowie die Romanze – in nur 81 Minuten Spielzeit. Damit ist von Anfang an klar, dass Schießen Sie auf den Pianisten sich nicht mit Figurenpsychologie oder Kohärenz aufhält, sondern seine Bestandteile fröhlich durcheinanderwirft. Damit nahm Truffaut das Vorgehen von Quentin Tarantino vorweg: Er nutzt die Versatzstücke anderer Werke als Folie für einen Film, der letztlich nur aus Meta-Ebenen besteht.

Besonders in der Anlage des Pianospielers Charles tritt der Einfluss des Film Noir zutage. Obwohl sich der schüchterne Protagonist mit Hang zur Melancholie aus jeder sozialen oder gesellschaftlichen Interaktion heraushält – er tut scheinbar nichts anderes, als Musik in einer schäbigen Bar zu spielen und abends mit einer Prostituierten zu schlafen –, macht ihn das Schicksal zur Zielscheibe. Das allein wäre ironisch, wandelt sich jedoch ins Tragische, weil Charles regelrecht verflucht erscheint – Frauen, die er liebt, müssen unweigerlich sterben.

Deutlich humorvoller geht es bei den Antagonisten des Films zu. Die beiden Gangster erweisen sich als comichafte Witzfiguren, die selbst während Entführungen und Einschüchterungsversuchen Small Talk betreiben. Miteinander und mit ihren Opfern debattieren sie über die Eigenheiten von Frauen oder die Erziehung von Kindern.

So recht zusammen gehen diese beiden Pole des Films allerdings nicht, was Schießen Sie auf den Pianisten einen seltsamen Tonfall verleiht. Truffaut bekommt die leichtfüßige Komik nicht mit den tragischen Themen unter einen Hut, sondern wechselt willkürlich hin und her.

Das führt spätestens im Finale zu einem Konflikt – einerseits wird es hier dramatisch, andererseits können wir das Geschehen nicht mehr ernst nehmen. Die fehlende emotionale Bindung an die Figuren war sicherlich ein Grund dafür, dass Truffauts zweites Werk an den Kinokassen floppte.

Bedauerlich ist der unentschlossene Tonfall, weil Schießen Sie auf den Pianisten aufgrund seines Tempos einen hohen Unterhaltungswert besitzt. Neben der flotten Inszenierung besticht auch der wunderbar lakonische Charles Aznavour in der Hauptrolle. Sein nuanciertes Spiel wirkt in einer Komödie schon beinahe verschwendet, wertet sie jedoch erheblich auf.

In Erinnerung bleiben auch die spielerischen Verweise auf die eigene Filmhaftigkeit: So zieht Aznavours Figur einer Bettgefährtin die Decke über die blanken Brüste, „weil man so etwas im Film nicht zeigt“ – typisch Nouvelle Vague!

★★★☆☆☆

Nouvelle Vague

Die Nouvelle Vague wischte die altmodischen “Filme der Väter” beiseite und entwickelte das moderne Kino. Erstmals beschäftigten sich Filme selbstreferenziell mit sich selbst, anstatt lediglich Geschichten mit Bildern zu erzählen. Mit der Generalüberholung von Inszenierung, Schnitt und Erzählweise legte die Nouvelle Vague die Grundlagen unserer heutigen postmodernen Filme, Musikvideos und Werbespots.

Filmszene aus Außer Atem

Kriminalfilm

Der Kriminalfilm zählt aufgrund unterschiedlichster Ausprägungen zu den breitesten Genres. Die sogenannten Whodunits beschäftigen sich mit der Täterfindung in einem einzelnen Fall; ebenso zählen die fatalistischen Detektivgeschichten des Film Noir zum Genre. Nicht zu vergessen sind Werke aus der gegensätzlichen Perspektive: Die Heist- und Gangsterfilme machen einen wesentlichen Teil des Krimigenres aus.

Filmszene aus Ein streunender Hund

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Foto Tom Schünemann

Tom Schünemann

Tom Schünemann ist der alleinige Autor auf Filmsucht.org und möchte dir helfen, tolle Filme zu entdecken. Vom Hamburger Schmuddelwetter zu akuter Filmsucht verdammt, sucht er unabhängig von Genre und Produktionsjahr nach obskuren Raritäten, funkelnden Geheimtipps und großen Klassikern.
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